Als sich Ende März die Türen des Tierheims Duisburg öffnen, erleben die Freiwilligen einen echten Schock. 21 Hunde der Rasse Spitz werden in die Obhut der Tierschützer übergeben – gezeichnet von einer Vergangenheit, die sie am liebsten vergessen würden.
Die Hunde stammen aus einer illegalen Zucht. Was diese Tiere hinter verschlossenen Türen durchmachen mussten, lässt sich nur an ihren geschundenen Körpern und ihren verängstigten Augen ablesen. Ein Gedanke macht alle zumindest ein wenig zuversichtlich: Die Hunde sind nun wenigstens endlich in Sicherheit! Das denken zumindest alle.
Aus illegaler Zucht: 21 Spitze beschlagnahmt
Der Zustand der 21 Hunde offenbart das ganze Ausmaß der Hölle, aus der sie kommen. „Das ist schon ne außergewöhnliche Aktion“, berichtet Tierheimleiter Lutz K. im Interview mit wa.de.
Und das bringt es auf den Punkt: Einer der Rüden bricht noch am Tag der Ankunft zusammen und muss sofort notoperiert werden. Zwei der Hündinnen sind trächtig, ihr Nachwuchs wird in diese unsichere Welt hineingeboren.
Doch das Bild, das den Tierschützern nachts den Schlaf raubt, ist das einer besonders schwer getroffenen Hündin. Sie ist extrem schüchtern, zieht sich zurück. Ihr Körper ist eine einzige Baustelle. Sie leidet an einem Nabelbruch, und eines ihrer Beine ist völlig funktionslos. Die bittere Wahrheit: Eine Amputation steht unausweichlich im Raum.
Es wird Monate dauern, das tief sitzende Trauma aus den Köpfen dieser Tiere zu bekommen. „Man muss das Vertrauen von den Tieren erarbeiten, das ist ein Prozess“, weiß der Tierheimleiter. Doch genau diese Zeit haben einige von ihnen vielleicht gar nicht. Der Grund ist ein bürokratischer Albtraum.
Absurde Gesetzeslage macht allen Sorgen
Trotz der furchtbaren Zustände, trotz der Not-OPs und der drohenden Amputation droht nun der absolute Super-Gau. Der Vorbesitzer fordert drei der Hunde zurück. Und das Unfassbare daran: Er könnte damit sogar durchkommen.
Das deutsche Gesetz behandelt Lebewesen in solchen Fällen als schlichte Gegenstände. „Da das so gesehen sein Eigentum ist, darf er das laut Gesetzgebung“, erklärt der Leiter des Duisburger Tierheims.
Zu den drei geforderten Tieren gehört ausgerechnet die schwer kranke, dreibeinige Hündin, um deren Leben die Ärzte gerade kämpfen. Die Behörden könnten jeden Moment entscheiden, dass diese drei Hunde zurück in die Hölle müssen, aus der sie gerade erst entkommen sind.
Ungewisse Zukunft für drei der Hunde
Für Lutz K. und sein Team bricht eine Welt zusammen. „Ich kann nicht verstehen, dass Tiere zurückdürfen, wenn jemand ein Halteverbot hat. Wir reden hier von einer illegalen Zucht.“
Während für einige der anderen Spitze bereits erste Adoptionsanfragen eingehen und sich ein Silberstreif am Horizont abzeichnet, tickt für drei von ihnen gnadenlos die Uhr. Ein absurdes Gesetz schützt den Täter – und die Opfer blicken ihrer ungewissen Zukunft mit genau jener Angst entgegen, die man ihnen eigentlich für immer nehmen wollte.