Im ersten Moment ist der Anblick alles andere als dramatisch: Zwischen den parkenden Fahrzeugen auf einem Supermarkt-Parkplatz in Niederkassel (zwischen Köln und Bonn) taucht plötzlich eine gewöhnliche Plastiktüte auf. Als erste Vermutung drängt sich auf, dass hier jemand wild seinen Abfall entsorgt hat.
Dass diese Annahme sich auf ganz besonders tragische Weise bewahrheiten wird, das ahnen die Finder der fest zugeknoteten Tüte jedoch im ersten Moment noch nicht.
Zugeknotete Tüte auf Parkplatz abgestellt
Denn als sie näher an die Tüte herankommen, gefriert ihnen das Blut quasi in den Adern. Aus dem Inneren ist ein leises Rascheln zu hören! Und damit werden ihre allerschlimmsten Befürchtungen Wahrheit. Jemand hat hier offensichtlich ein lebendes Wesen verschnürt und zum Ersticken zurückgelassen...
Die herbeigerufenen Retter vom „Team für Tiere Köln“ zögern keine Sekunde und reißen den Knoten auf. Tatsächlich kauert in der Tüte ein winziges, völlig verängstigtes Lebewesen – ein Kätzchen.
„Man kriegt so einen Hass auf Menschen. Man fragt sich, wieso man sowas macht“, schildert Tierschützer Jordan W. im Gespräch mit wa.de den fassungslosen Moment. Das Tier klammert sich sofort an den Freiwilligen, sucht verzweifelt Schutz bei der Hand, die es gerade befreit hat.
Als sich die Samtpfote endlich der sicheren Transportbox befindet, zeigt sich das ganze Ausmaß ihres Leidens. „Sie war total apathisch und hing mit dem Gesicht an der Transportbox“, erinnert sich der Helfer an den herzzerreißenden Anblick.
Ein abgekartetes Spiel im Netz
Wie kam es zu diesem grauenvollen Fund? Die Spur führt zurück ins Internet und offenbart ein eiskaltes Katz-und-Maus-Spiel. Begonnen hat nämlich alles mit einem anonymen Post auf Facebook: Jemand will dort dringend eine Katze verschenken. Als die Tierschützer den Kontakt suchen, wird der Beitrag jedoch gelöscht.
Dann ein neuer Versuch, wieder anonym. Diesmal meldet sich eine Frau, man verabredet sich genau hier, auf diesem Parkplatz in Niederkassel, zur Übergabe. Doch die Frau taucht nie auf. Sie hinterlässt nur die zugeknotete Plastiktüte.
Die Wut im Netz über diese Tat ist grenzenlos. Über 300 Menschen kommentierten den Fall fassungslos. „Mir fehlen schlichtweg die Worte. Eine Katze in eine Plastiktüte zu knoten, ist keine ‚Notlage‘, sondern pure Grausamkeit“, fasst eine Nutzerin die Gefühle der Community zusammen.
Eine Kämpferin namens Ella
Für das kleine flauschige Bündel, dem die Tierschützer den Namen Ella gaben, beginnt nun ein neues Leben fernab der Plastiktüte. Auf einer privaten Pflegestelle zeigt das Kätzchen einen unfassbaren Überlebenswillen. Umgeben von einem gesicherten Garten und fünf Artgenossen blüht Ella gerade regelrecht auf.
Wenn die letzten medizinischen Checks, Impfungen und die Kastration abgeschlossen sind, steht einem echten Zuhause für sie nichts mehr im Weg. Möglicherweise muss sie dafür nicht einmal mehr umziehen: „Vielleicht kann sie auch in der Pflegestelle bleiben“, deutet Jordan W. an.
Ella hat überlebt. Doch ihre Geschichte wird die Tierschützer aus Niederkassel wohl nie wieder loslassen.