Wird das Haustier krank, bedeutet das für Millionen Menschen in Deutschland zunehmend schlaflose Nächte. Nicht nur die Sorge um den geliebten Vierbeiner schnürt den Haltern die Kehle zu, sondern die alles überschattende Angst vor dem Moment, in dem die Praxisrechnung über den Tresen geschoben wird.
Seit der massiven Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im November 2022 ist der Tierarztbesuch für viele zu einem finanziellen Roulette geworden. Tiere leiden oft still, weil Halter Behandlungen aus Kostengründen immer öfter verzögern. Und genau in dieses Pulverfass platzt nun eine neue Forderung.
Anstehende Evaluierung der neuen GOT
Die Realität in den Wartezimmern spricht eine schonungslose Sprache. Im Netz entlädt sich aktuell die pure Verzweiflung der zahlenden Kunden. Eine einfache Allgemeinuntersuchung bei der Katze ist beim einfachen Satz von knapp 9 Euro auf über 23 Euro hochgeschossen – und in der Realität rechnen Praxen oft dann auch noch mit dem 1,3- oder 1,4-fachen Satz ab.
Die Einzelfälle, die Tierhalter schildern, dokumentieren das extreme Ausmaß der Kostenfalle. Frauchen berichtet von einem Wochenend-Notdienst wegen blutigem Durchfall. Man finde oft nichts Wesentliches, reize aber das „große Besteck“ der Diagnostik voll aus. Die Quittung für diese Magen-Darm-Verstimmung: fast 1.800 Euro.
Ein anderer User dokumentiert ein CT für seine Katze: 1.650 Euro. Ein vergleichbares CT beim Menschen kostet Selbstzahler einen Bruchteil. Das Wort „Abzocke“ fällt in den Kommentarspalten nicht mehr nur vereinzelt, es ist zum gefühlten Konsens einer ganzen Gruppe geworden.
Forderung des Tierärzteverbands
Zwischen April und Juni 2026 steht nun die große Evaluierung der GOT an. Die Tierhaltenden hoffen inständig auf eine Korrektur, auf Augenmaß und Entlastung. Doch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) stellt sich bereits jetzt in Position – und gießt weiter Öl ins Feuer.
Praxen müssten wirtschaftlich arbeiten, das Personal und moderne Technik finanzieren. Die harte Botschaft des bpt-Präsidenten an die Politik und die Halter: Man werde sich vehement gegen jede Gebührensenkung einsetzen. Im Gegenteil, aus Sicht des Verbandes müssen die Preise sogar noch weiter steigen.
Die fatale Konsequenz für die Tiere
Für Tierschützer ist diese Entwicklung der direkte Weg in den Abgrund. Schon jetzt arbeiten spendenfinanzierte Vereine am Rande des absoluten Kollapses, weil sie die horrenden Rechnungen für abgegebene oder beschlagnahmte Tiere nicht mehr stemmen können.
Wenn tierärztliche Versorgung endgültig zum Luxusgut wird, warnen Experten vor Zuständen wie in anderen Ländern: ausgesetzte Tiere, überfüllte Heime und im schlimmsten Fall Tötungsstationen.
Ihre Befürchtung: Wenn bei der Evaluierung 2026 nicht endlich tierethische und soziale Kriterien über die reinen Wirtschaftsinteressen gestellt werden, zahlen den wahren Preis am Ende die Wehrlosesten: die Tiere selbst.