Er ist ein unsichtbarer, lautloser Feind: Krebs. Diese tückische Erkrankung schleicht sich in unsere Leben und zerstört Familien. Krebs macht keine Ausnahmen. Weder bei uns Menschen noch bei den Tieren, die wir am meisten lieben.
Doch im Kampf gegen diesen skrupellosen Killer ist Wissenschaftlern nun ein unerwarteter Durchbruch gelungen. Der Schlüssel zur Rettung von Millionen Menschenleben lag danach die ganze Zeit direkt vor unseren Augen. Schnurrend auf unserem Sofa.
Katzen: Helfer im Kampf gegen Krebs
Jahrzehntelang haben Mediziner bei der Erforschung von Tumoren vor allem Hunde in den Fokus gerückt. Hauskatzen wurden von der Wissenschaft nahezu ignoriert. Doch ein internationales Forscherteam, geleitet vom renommierten Wellcome Sanger Institute in London, hat dieses Tabu nun gebrochen.
Die Experten nahmen die Tumor-DNA von fast 500 Hauskatzen unter die Lupe und glichen sie mit 1.000 menschlichen Krebs-Genen ab. Was die Ermittler im Labor auf ihren Monitoren sahen, glich einer absoluten Sensation: Der genetische Fingerabdruck ist bei beiden Krebsarten identisch.
Der Code ist geknackt
Die Forscher konnten beweisen, dass die genetischen Mutationen, die das Tumorwachstum bei Katzen antreiben, denen des Menschen extrem ähnlich sind.
Besonders beim aggressiven Brustkrebs machten sie eine schockierende und zugleich lebensrettende Entdeckung. Ein spezielles Treibergen namens FBXW7 mutiert bei Katzen fast genauso wie bei Frauen, die an einer besonders aggressiven, schwer heilbaren Form von Brustkrebs (dreifach negativ) leiden.
Gemeinsam gegen den Brustkrebs
Das bedeutet: Die bösartigen Veränderungen im Körper der Katze verhalten sich exakt wie im menschlichen Körper. Ein Rätsel, das Mediziner seit Jahren zur Verzweiflung trieb, beginnt sich plötzlich zu lösen.
Erste Labortests zeigen bereits, dass bestimmte Chemotherapeutika bei genau diesen Katzen-Tumoren extrem gut anschlagen – ein Wissen, das nun direkt das Leben von Brustkrebspatientinnen retten könnte.
Ein unsichtbares Band
Warum ausgerechnet Katzen? Die Antwort ist so simpel wie emotional. Fast ein Viertel aller Haushalte teilt sein Leben mit einer Samtpfote. Wir atmen dieselbe Luft, wir leben in denselben Räumen.
„Unsere Haustiere leben im gleichen Lebensraum wie wir und sind daher denselben Umweltfaktoren ausgesetzt“, erklärt Professor Geoffrey Wood, einer der beteiligten Forscher. Dieses gemeinsame Risiko schweißt Mensch und Tier nun im Kampf gegen die Krankheit zusammen.
Der One-Medicine-Ansatz
Die Wissenschaftler haben daher einen revolutionären Pakt geschlossen: den „One Medicine“-Ansatz. Was in klinischen Studien das Leben unserer geliebten Hauskatzen rettet, fließt sofort in die Heilung von Menschen ein. Und was den Menschen hilft, wird genutzt, um das Leid der Tiere zu beenden.
Unsere Katzen sind nicht länger „nur“ Haustiere. Sie sind damit auch unsere engsten Verbündeten im Kampf gegen eine der tödlichsten Krankheiten der Welt.