Die Hitze, die am 27. Juni über Bornheim in Nordrhein-Westfalen liegt ist unbarmherzig. Fast 40 Grad zeigt das Thermometer an diesem Tag. Die Retter von "Team für Tiere Köln" sind zu diesem Zeitpunkt bereits seit 4 Uhr morgens im Dauereinsatz, erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Dann schrillt das Telefon!
Das Tierheim Troisdorf bittet dringend um Unterstützung. Die Informationen sind spärlich, aber beunruhigend: Ein Mann ist in seiner Wohnung verstorben, mehrere Hunde sollen dort völlig isoliert festsitzen. Als das Team am Einsatzort eintrifft, ahnt noch niemand, dass sie gleich die Tür zu einer absoluten Hölle auf Erden öffnen werden.
Horror-Einsatz in Bornheim
Vor dem unscheinbaren Wohnhaus herrscht bereits helle Aufregung. Polizei, Feuerwehr und das Ordnungsamt haben das Gebäude umstellt. Als die Einsatzkräfte die Wohnungstür aufbrechen, schlägt ihnen eine Wand aus unerträglichem Gestank und stickiger Hitze entgegen.
Sofort wird das ganze Ausmaß der Tragödie sichtbar: Es sind nicht bloß „ein paar“ Hunde. In den völlig verwahrlosten Räumen drängen sich insgesamt 19 völlig verwahrloste Tiere!
Was die Retter dann erblicken, brennt sich tief in ihr Gedächtnis ein. Die Hunde sind komplett abgemagert, dehydriert und stehen unter Schock. Der Hunger in dem verbarrikadierten Haus war anscheinend bereits so mörderisch, dass die Tiere aus nackter Verzweiflung begonnen hatten, ihren eigenen, verstorbenen Halter anzufressen.
Weil die traumatisierten Hunde die Leiche des Mannes instinktiv verteidigen, können die Behörden zunächst nicht einmal an den Toten herankommen. Es sind Szenen wie aus einem düsteren Alptraum.
Hunde aus Messie-Wohnung retten
Die Retter müssen schnell handeln, denn für die eingesperrten Tiere geht es um Sekunden. Bei der systematischen Durchsuchung der Wohnung stoßen sie auf das nächste Drama: Mehrere Hunde wurden vom Besitzer in engen Transportboxen gefangen gehalten – weggesperrt ohne einen einzigen Tropfen Wasser, ohne einen Krümel Futter.
Doch inmitten dieses unvorstellbaren Horrors stoßen die Helfer auf ein kleines Wunder. In einer dieser dunklen Plastikboxen hat eine völlig entkräftete Hündin im Chaos vier Welpen zur Welt gebracht. Neues Leben, geboren auf nacktem Plastik, umgeben von Tod und Verwesung.
Trotz der extremen Bedingungen und des massiven Schlafmangels gelingt dem Team das Unmögliche: Sie schaffen es, alle 19 Hunde – inklusive der neugeborenen Welpen – lebend aus dem Schreckens-Haus zu evakuieren und auf die Tierheime in Troisdorf, Köln-Dellbrück und Mainz aufzuteilen.
Tierschutzverein Team für Tiere Köln: Die Wut über das weggesehene Amt
Während die Hunde nun medizinisch versorgt und langsam aufgepäppelt werden, bleibt bei den Helfern des Tierschutzvereins Team für Tiere Köln ein tiefes, flaues Gefühl im Magen zurück. Denn dieser Alptraum war offenbar mit Ansage passiert!
Ein Nachbar berichtet den fassungslosen Rettern noch vor Ort, dass er bereits vor vielen Monaten eine detaillierte Meldung über die unhaltbaren Zustände und die Masse an Hunden in der Wohnung an das zuständige Veterinäramt gegeben hatte. Passiert ist danach monatelang: nichts.
„Tierschutz ist wichtig. Tierschutz ist erfüllend. Aber Tierschutz ist nicht immer schön. Auch wir haben an solchen Einsätzen zu knabbern“, gesteht das Team erschöpft nach dem Einsatz.
Die Tragödie von Bornheim zeigt auf brutale Weise, was passiert, wenn Behörden wegschauen und Warnungen aus der Bevölkerung im Sande verlaufen. Für den Halter und seine Hunde kam jede reguläre Hilfe zu spät.
Die Retter senden daher einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit: Schaut nicht weg! Jeder noch so kleine Hinweis auf Tierleid im Nachbarhaus kann im Ernstfall den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.