Dieser Nachmittag im Landkreis Freising (Bayern) eskaliert ohne Vorwarnung. Eine simple Paketzustellung im September 2024 entwickelt sich in Sekundenbruchteilen zu einem echten Albtraum. Und wird noch weite Kreise ziehen!
Ein Bote tritt an die Haustür eines Kunden, um diesem die Lieferung zu bringen. Der Termin ist fest verabredet, der Zusteller erwartet, dass ihm gleich ein Mensch gegenübersteht. Doch als die Tür aufgeht, blickt er nicht in ein Gesicht, sondern in drei! Und die sind alles andere als erfreut…
Bote rettet sich vor Hunden auf Porsche
Statt des Hausherrn stürmen gleich drei aufgeregte Hunde auf den ahnungslosen Boten zu. Die zwei Dalmatiner und ein Mischling bellen den Mann aus seiner Sicht höchst bedrohlich an. In diesem Moment schaltet der Verstand des Paketboten ab, panisch flieht er vor den Tieren.
In seiner Angst sucht der Mann eine Möglichkeit, auf einen Baum zu klettern oder etwas ähnliches. Doch nirgends gibt es eine rettende Höhe, also wählt er das Nächstbeste – und das ist ausgerechnet die Motorhaube eines in der Nähe geparkten Luxus-SUVs.
Mit einem Satz rettet der Bote sich auf den Porsche Cayenne des Hausherrn. Dort wartet er darauf, dass sich jemand um die aufgeregten Hunde kümmert und er wieder herunterkann. Allerdings erwartet ihn direkt die nächste Überraschung.
Wer zahlt für Kratzer und Dellen?
Als der schließlich auftaucht, fällt die Reaktion des Hunde- und Autohalters wenig verständnisvoll aus. Anstatt sich nach dem Schock bei dem völlig verängstigten Boten zu entschuldigen, interessiert hat er für etwas ganz anderes Augen. Das Wohl des Mannes interessiert tatsächlich nicht im Geringsten.
Sein einziger Gedanke gilt vielmehr seinem teuren Fahrzeug, auf dem der rettende Sprung des Boten angeblich Kratzer und Dellen hinterlassen hat. Statt Reue für die wilden Hunde zu zeigen, fordert er sogar 2.700 Euro für den Blechschaden.
Die Quittung für die Forderung
Der Fall landet schließlich vor Gericht, und dort bekam der Porsche-Fahrer jetzt die Quittung für sein Verhalten präsentiert. Die Justiz macht klare Kante mit in ihrem aktuellen Urteil (Urt. v. 12.02.2026, Az. 223 C 6838/25).
Darin heißt es nämlich: Wer sehenden Auges die Tür öffnet und ein ganzes Rudel Hunde unkontrolliert auf einen angemeldeten Dienstleister loslässt, trägt die volle Verantwortung für das Chaos, das potenziell folgt. Der zentrale Faktor ist hier tatsächlich auch die Rudeldynamik, die eine Aggresion der Hunde noch einmal verstärken könne.
Die potenziell drohende Gefahr habe daher jeden Fluchtreflex gerechtfertigt. Die Geldforderung des Halters wurde klar zurückgewiesen. Der Porsche-Fahrer wird sich damit wohl künftig überlegen, ob er nicht doch lieber selbst als erster an der Haustür ist.