Der eigentliche Vorgang am Tresen des Tierheims Bergheim ist erschreckend kurz. Es werden ein paar Fragen gestellt und Formulare ausgefüllt. Damit besiegelt die junge Frau das Schicksal eines Lebewesens auf die wohl kälteste vorstellbare Art.
Sie übereignet ihre Sphynxkatze dem Tierheim und dann geht die Frau wieder ihrer Wege. So als wäre es das Normalste von der Welt! Und der eigentliche Grund hinter dieser Entscheidung macht die Sache keinen Deut besser…
Deshalb verliert Mercedes ihr Zuhause
Die Nacktkatze wird nicht etwa im Tierheim abgegeben, weil ihr Frauchen schwer erkrankt ist. Auch eine unvorhersehbare Lebenskrise steckt nicht dahinter. Der wirkliche Grund ist viel trivialer und kälter!
Die arme Mercedes wurde ausgemustert, weil eine unsichtbare finanzielle Schmerzgrenze überschritten wurde. Ein einziges Machtwort aus der Familie reichte, um die Nacktkatze dann vor die Tür zu setzen.
Die eiskalte Rechnung des Vaters
Die junge Frau hatte die Rassekatze im Internet gekauft. Doch im neuen Zuhause läuft nicht alles nach Plan. Mercedes versteht sich offenbar nicht mit der zweiten Nacktkatze, die bereits dort lebt. Ein Problem, das mit Zeit, Geduld und vielleicht auch professioneller Hilfe zu lösen gewesen wäre.
Schließlich schaltet sich aber der Vater der Halterin ein – mit einer Logik, die in ihrer Kälte kaum zu überbieten ist. Sein vernichtendes Urteil, das die Tierschützer fassungslos zurücklässt: „Wenn die Tierarztkosten den Kaufpreis übersteigen, muss die Katze weg.“
Für den Vater ist Mercedes offenbar kein Familienmitglied, sondern ein defektes Wirtschaftsgut. Die Reparaturkosten übersteigen den Restwert – also ab zum Schrottplatz, oder in diesem Fall: ins Tierheim. Mercedes‘ Frauchen beugt sich dem Druck. Die Katze wird abgegeben.
„Angeschafft, abgeschafft“: Das Netz tobt
Im Tierheim Bergheim ist man bittere Realitäten gewohnt, doch dieser offene Zynismus trifft einen Nerv. „Angeschafft, abgeschafft – irgendwie geht das heute bei gefühlt immer mehr Menschen ganz locker“, schreiben die Mitarbeiter auf Facebook. Ein Trend, der stets auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen wird.
Die Geschichte von Mercedes schlägt im Netz sofort hohe Wellen. Innerhalb kürzester Zeit wird der Beitrag hunderte Male geteilt, die Kommentarspalten glühen vor Wut. „Man sollte die ‚Besitzer‘ auch ins Heim abgeben! Und sie von dort auch nicht mehr vermitteln“, schreibt ein User voller Zorn.
Eine andere Nutzerin fasst das Unverständnis vieler zusammen: „Wir sagen auch manchmal: Für die Kosten hätten wir ein neues Tier bekommen. Galgenhumor. Wir sind eine Familie, da wird nicht aufgerechnet.“
Mercedes ist nun glücklicherweise in Sicherheit und wird medizinisch versorgt. Die Tierschützer in Bergheim suchen jetzt für sie nach dem, was ihr bisher verwehrt blieb: einem echten Zuhause. Einem Ort, an dem Menschen bereit sind, für ein ganzes Katzenleben Verantwortung zu tragen – ohne Taschenrechner in der Hand.