Es ist ein milder, friedlicher Sommerabend im südlichen Landkreis Rastatt. Die Uhren zeigen genau viertel vor neun, als das Ehepaar gerade entspannt auf seiner Terrasse am Ortsrand sitzt und die Dämmerung genießt. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Moment gleich in die Geschichte der Region eingehen wird.
Doch plötzlich taucht etwas auf – völlig lautlos - und läuft haarscharf an den Stufen der Terrasse vorbei! Die Frau reagiert geistesgegenwärtig, greift zum Smartphone und drückt ab. Wenig später tippt ihr Mann fassungslos eine WhatsApp-Nachricht an Freunde: „Du glaubst es nicht! Eben sitzen wir auf unserer Terrasse, und wer läuft da seelenruhig vorbei? Siehe Foto.“
Seltenes Wildtier direkt in eigenen Garten!
Das Bild dokumentiert eine Begegnung, die eigentlich unmöglich schien. Bei dem unbemerkt vorbeischlendernden Gast handelt es sich um ein majestätisches Raubtier, das mitten unter uns wandelt: ein junger Luchs!
Und wie sich herausstellt, stand das Haus des Ehepaars schon länger im Visier des scheuen Jägers. Bereits zwei Tage zuvor war eine große Raubkatze im Schutz der Dunkelheit am Gebäude vorbeigeschlichen. Und nur einen Abend nach dem sensationellen Foto zieht der Jäger wieder seelenruhig auf exakt derselben Route vorbei!
Drinnen im Haus läuft zu diesem Zeitpunkt lautstark die Fußball-Weltmeisterschaft im Fernsehen, während draußen im Garten ein streng geschütztes Lebewesen seine Bahnen zieht. Bei genauerem Hinsehen bemerken die Zeugen ein entscheidendes Detail: Der Luchs trägt ein Halsband. Er wird überwacht. Es ist ein besendertes Tier, dessen Wege nun die Welt der Wildtier-Forscher und Zoologen auf den Kopf stellen.
Junger Luchs in Rastatt gesichtet
Als das Foto die Experten erreicht, bricht in den Instituten und Zoos blanke Begeisterung aus. Wildtierbeauftragte und Zoodirektoren analysieren das Bildmaterial akribisch. Sie sind sich einig: Eine solche Sichtung eines Luchses aus nächster Nähe und bei Tageslicht grenzt an ein medizinisches und wissenschaftliches Wunder. „Eine solche Begegnung ist wie ein Sechser im Lotto“, schwärmen die Forscher übereinstimmend.
Statistisch gesehen liegt die Chance auf den Hauptgewinn im Lotto bei etwa 1 zu 15,5 Millionen. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass ein freilebender Luchs derart nah und friedlich an Menschen vorbeispaziert. Soweit sich die Experten erinnern können, ist es das erste Mal überhaupt, dass eine Aufnahme in dieser Form und Kulisse gelungen ist.
Das Tier auf dem Foto wird als junger „Kuder“ – ein männlicher Luchs – identifiziert. Dass er die Menschen auf der Terrasse nicht bemerkt hat, gilt als sicher. Hätte das sensible „Pinselohr“ die Zeugen registriert, hätte er diese Route sofort für immer gemieden.

Warum das Ganze streng geheim bleibt
Doch wer nun hofft, den genauen Ort dieser spektakulären Begegnung zu erfahren, wird enttäuscht. Die Behörden und Wildtier-Forscher behandeln die genauen Geodaten des Vorfalls wie eine absolute Verschlussakte. Die Redaktion verzichtet bewusst auf eine Lokalisierung der Gemeinde. Der Grund dafür ist so simpel wie ernst: Der Schutz des Tieres steht an oberster Stelle.
Sobald bekannt würde, wo genau sich das Wildtier in Deutschland so zutraulich zeigt, würden Heerscharen von Schaulustigen und Hobby-Fotografen den Ort überschwemmen. Für den jungen, scheuen Kuder wäre dieser Ansturm fatal. Er würde aus seinem Revier vertrieben.
Für Menschen, die das unbeschreibliche Glück haben, einem Luchs in freier Wildbahn zu begegnen, hat der Wildtierbeauftragte daher nur einen einzigen, dringenden Rat: „Stehenbleiben und genießen.“ Im Gegensatz zu anderen großen Rückkehrern unserer Wälder geht vom Luchs für den Menschen absolut keine Gefahr aus.