Es ist tief in der Nacht, als der Winzer zwischen den Reben seines Weinbergs bei Freinsheim (Pfalz) plötzlich seltsame Geräusche hört. Er ist sich sicher: Das ist definitiv weder der Wind noch ein Wildtier. Eher ein leises Fiepen. Immer wieder.
Der Mann geht den Lauten nach und macht eine Entdeckung, die ihn offenbar sofort überfordert: Da sind lauter panische kleine Hunde zwischen den Rebstöcken! Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: Für einige der Tiere kommt jede Hilfe bereits zu spät.
Hunde verschwinden in der Dunkelheit
Nach Angaben der vom Winzer alarmierten Polizei handelt es sich bei allen Tieren um Chihuahuas. Insgesamt sollen es zehn Hunde gewesen sein, die jemand in dem Weinberg zwischen Freinsheim und Erpolzheim ausgesetzt hat.
In der Dunkelheit gelingt es den Einsatzkräften zunächst nur, fünf der kleinen Hunde einzusammeln. Die anderen verschwinden zwischen den Reben. Und genau das wird später viele Helfer nicht mehr loslassen.
Erst am Montagmittag erfährt der Verein „Sammelstelle für Tiere in Not“ von dem Vorfall. Für die Vorsitzende Carmen B. ein Moment, der sie bis heute wütend macht. „Am Morgen wären die Chancen noch besser gewesen“, sagt sie später gegenüber swr.de.
Eine fieberhafte Suche beginnt
Um die Hündchen aus ihrer misslichen Lage zu retten, machen sich sofort rund 30 Helfer gemeinsam mit einer Hundestaffel auf den Weg und durchkämmen die Reihen der Rebstöcke. Drohnen steigen auf. Kameras werden vorbereitet.
Immer wieder lauschen die Einsatzkräfte – in der Hoffnung, die Hunde zu hören, die noch irgendwo dort draußen sein müssen. Und dann kommt der Moment, den einige der Helfer nicht mehr vergessen werden. Zwischen den Reben entdecken sie zwei weitere Jungtiere!
Für einen der kleinen Hunde kommt allerdings jede Hilfe bereits zu spät. Das zweite Tier lebt noch – doch nur kurze Zeit. Später stirbt es beim Tierarzt.
Bei den Rettern laufen die Tränen
Einige der Helfer vor Ort brechen angesichts der Tragik, mit der sie so unvermittelt konfrontiert sind, in Tränen aus. Denn allen wird schlagartig klar, was diese bedauernswerten Hunde in den vergangenen Stunden durchgemacht haben müssen.
Besonders bedrückend: Ein älterer Rüde kann den Helfern entkommen. Er verschwindet erneut irgendwo im Weinberg. Bis heute fehlt von ihm jede Spur. Der Verein befürchtet außerdem, dass noch mindestens ein weiterer Junghund dort draußen unterwegs sein könnte.
Die Suche geht weiter
Um auch die letzten der ausgesetzten Hunde zu retten, wird weiter gesucht von den Tierschützern. Es werden Futterstellen eingerichtet und Kameras installiert. Mithilfe spezieller Fallen sollen die verstörten Tiere gesichert werden, ohne sie zu erschrecken.
An die Bevölkerung geht derweil die dringende Bitte, nicht zu versuchen, die Hunde auf eigene Faus einzufangen. Stattdessen bitten die Retter darum, sofort den Verein zu informieren.
Ein Hoffnungsschimmer
Die fünf lebend geretteten Junghunde werden inzwischen in einer Dogstation in Hochspeyer wieder aufgepäppelt. Mehrere leiden unter Hautproblemen, ein Hund braucht sogar besondere Betreuung, weil seine Lunge angeschlagen ist.
Doch trotz allem gibt es vorsichtige Hoffnung. „Die Hunde sind nicht in so schlechtem Zustand, wie man es erwarten würde“, heißt es von der Dogstation. Sobald es den Chihuahuas wieder besser geht, will man versuchen, für sie ein neues Zuhause zu finden. Einen Ort, an dem sie keine Angst mehr haben müssen.

Derweil läuft die Suche im Weinberg von Freinsheim weiter. Tag und Nacht. Die Freiwilligen hoffen, dort vielleicht doch noch die restlichen Chihuahuas zu sichern und ihnen ein schlimmes Schicksal zu ersparen.