Es ist Montagabend, 19:30 Uhr in der Damaschkestraße in Neustadt bei Coburg. Ein 33-jähriger Anwohner hält plötzlich inne. Von irgendwoher ist ein leises, verzweifeltes Kratzen, ein Wimmern zu hören! Erschrocken sieht er sich um und versucht, die Ursache zu identifizieren.
Die Laute kommen nicht von draußen, sie dringen direkt aus dem Inneren der massiven Hauswand. Irgendwo im Dunkeln, gefangen zwischen Stein und Mörtel, kämpft ein Tier um sein Leben. Jeder Atemzug in der drückenden Enge des Gemäuers muss eine absolute Qual sein. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
"Katze" steckt tief im Regenrohr fest
Minuten später rücken am 4. Mai 2026 Feuerwehr und Polizei an. Die Lage vor Ort zeigt sich schnell als hochdramatisch: Der kleine Vierbeiner sitzt in einer völlig ausweglosen Falle fest. Ohne zu zögern beginnen die Einsatzkräfte der Feuerwehr, erste Teile der Wand aufzustemmen.
Doch das verzweifelte Wesen ist nicht einfach nur hinter einer Ziegelschicht eingeklemmt. Eine in der Zwischenzeit alarmierte Kanalreinigungsfirma schiebt eine Rohrinspektionskamera in die dunkle Tiefe und enthüllt auf dem Monitor das ganze Ausmaß der Misere: Die vermeintliche Katze steckt mehrere Meter tief in einem engen Regenfallrohr fest. Ein Vor und Zurück gibt es in dieser Dunkelheit nicht mehr.
Rettungsaktion mit Staubsauger
Die Retter stehen vor einem gewaltigen Problem. Um an das verängstigte Findelkind zu gelangen, müsste fast das halbe Haus eingerissen werden – ein massiver Gebäudeschaden, der kaum zu verantworten wäre. Doch in der Not haben die Einsatzkräfte einen so bizarren wie genialen Plan...
Statt schwerem Abbruchgerät rückt plötzlich ein Industrie-Staubsauger an. Was im ersten Moment wie ein surrealer Scherz klingt, ist für das eingeschlossene Tier die einzige Überlebenschance. Mit millimetergenauer Vorsicht und dem kontinuierlichen, mächtigen Sog des Industriegeräts wird das hilflose Bündel behutsam angesaugt. Zentimeter für Zentimeter ziehen die Retter das Leben aus dem Schacht, bis es endlich die Kante des Rohres erreicht.
Damit hat niemand gerechnet
Erschöpft, staubig, aber unversehrt landet das Tier schließlich in den schützenden Händen der Einsatzkräfte. Doch als sich die Anspannung löst und alle zum ersten Mal einen genauen Blick auf die gerettete „Katze“ werfen, verschlägt es den Anwesenden den Atem.
Aus dem tiefen Rohr kam kein Kätzchen zum Vorschein. Vor den verblüfften Rettern kauert ein winziges, völlig entkräftetes... Marder-Baby!
Der kleine Überlebenskünstler, der für den wohl ungewöhnlichsten Einsatz des Jahres gesorgt hat, wurde nach seiner spektakulären Staubsauger-Rettung direkt in eine Tierklinik im Landkreis gebracht, wo er sich nun von den Strapazen in der Dunkelheit erholen kann.