Normalerweise wirft Eva ihre Säcke weg, ohne hinzusehen. An diesem Morgen sind sie aber besonders schwer, weshalb sie in den Container schaut, um sicherzugehen, dass nichts aufplatzt. Dort entdeckt sie eine weiße, flauschige Gestalt, deren Kopf in einer Konservendose feststeckt. Zuerst denkt sie an einen weggeworfenen Teddybären, bis das „Plüschtier“ zu atmen beginnt.
Eva ruft sofort ihre Tochter Yasmin an. Wegen seiner mageren Gestalt halten sie das Tier zunächst für ein Frettchen und holen eine Leiter. Mutig steigt Eva in den tiefen Container und holt das kleine Wesen, in ein Handtuch gewickelt, vorsichtig wieder heraus.
Eine Konservendose als tödliche Falle
Es ist sofort klar: Es handelt sich um ein weißes Kätzchen, das völlig erschöpft ist. „Sie war apathisch, ruhig und regungslos“, erzählt Yasmin. „Als hätte sie jede Hoffnung auf Überleben aufgegeben.“ Zum Glück lässt ein kleiner Spalt zwischen der Dose und ihrem Hals noch genug Platz zum Atmen.
Sie eilen zum örtlichen Tierarzt. Die Dose lassen sie auf dem Kopf des Tieres, um es nicht weiter zu verletzen. Wie durch ein Wunder hat das Kätzchen trotz Gestank und Schmutz keine größeren Verletzungen. Es leidet weder an Unterkühlung noch an Knochenbrüchen. Obwohl die kleine Katze gechippt ist, ist sie auf keinen Namen registriert. Zwei Tage später wird sie unter dem Namen Angel offiziell ein Mitglied der Familie Eftekhar.
Von der Angst zur Zuneigung
Die erste Zeit zu Hause ist von dem Trauma geprägt. Angel verschlingt ihr Futter, als wäre es ihre letzte Mahlzeit, und wehrt jeden menschlichen Kontakt ab. Sie kratzt jeden, der versucht, sie zu streicheln. Von Spielzeug oder Zuneigung scheint sie nichts zu wissen.
Einige Wochen später kommt die Wende. Yasmin gewinnt ihr Vertrauen, indem sie Angel von sich aus zu ihr kommen lässt, ohne sie zu bedrängen. „Ich glaube, in dem Moment hat sie verstanden, dass sie in Sicherheit ist und keine Angst mehr haben muss.“
Heute ist Angel eine kleine Katze, die genau weiß, was sie will. Sie fordert Küsse ein, schläft in Yasmins Bett und hat sogar gelernt, mit der anderen Katze der Familie zu spielen. Aus dem weißen Bären von der Müllhalde ist ein glückliches Kätzchen geworden, das endlich weiß, was es bedeutet, geliebt zu werden.