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Katze schleicht um Futternapf herum
© Art_Volkusha / Shutterstock (Symbolbild)

Warum sagt man „um den heißen Brei herumreden“?

von Stefanie Gräf

Am veröffentlicht

Jeder kennt den Spruch, doch was bedeutet er eigentlich? Wir erklären, warum wir oft „um den heißen Brei herumreden“ und was genau dahintersteckt.

Wir alle kennen diese Situationen: Jemand möchte eine unangenehme Wahrheit aussprechen, eine Bitte äußern oder Kritik üben, kommt aber einfach nicht auf den Punkt. Genau wie eine Hauskatze, die skeptisch und zögerlich ihren frisch gefüllten Futternapf umrundet, weil sie der Mahlzeit noch nicht ganz über den Weg traut.

Doch was genau hat unser Zögern in Gesprächen mit einer warmen Mahlzeit zu tun? Redewendungen sind oft wie kleine Zeitkapseln, die Bilder und Gewohnheiten aus vergangenen Jahrhunderten in unseren modernen Alltag transportieren. Die Erklärung für dieses bekannte Sprichwort hat tatsächlich einen ganz direkten tierischen Ursprung.

Was bedeutet „um den heißen Brei herumreden“?

Wenn wir jemandem vorwerfen, er würde nicht auf den Punkt kommen, nutzen wir dieses Sprichwort. Es beschreibt das Verhalten, einer wichtigen oder heiklen Angelegenheit auszuweichen.

Man spricht über Belanglosigkeiten, zögert das eigentliche Thema hinaus oder formuliert so vage, dass das Gegenüber den wahren Kern der Aussage kaum noch erkennen kann. Oft geschieht dies aus Angst vor Konflikten, aus Höflichkeit oder weil man sich vor einer negativen Reaktion fürchtet. Man drückt sich also vor der eigentlichen Konfrontation.

Warum sagt man „um den heißen Brei herumreden“?

Um die Herkunft zu verstehen, müssen wir ein paar Jahrhunderte in die Vergangenheit reisen. Interessanterweise lautete die ursprüngliche Redensart im 16. Jahrhundert noch gar nicht „reden“, sondern „gehen“ oder „schleichen“. Das Sprichwort hieß damals vollständig: „Wie die Katze um den heißen Brei schleichen.“

Das Bild dahinter ist aus dem echten Leben gegriffen und erklärt sich fast von selbst: Früher war heißer Getreidebrei ein alltägliches Grundnahrungsmittel. Wenn dieser frisch gekocht auf dem Tisch oder zum Abkühlen bereitstand, zog der Geruch unweigerlich die Hof- oder Hauskatze an.

Die Katze hatte großen Appetit und wollte fressen, doch der Brei war noch viel zu heiß. Um sich nicht die Zunge zu verbrennen, schlich sie unruhig um den Napf oder die Schüssel herum. Sie wollte an ihr Ziel, traute sich aber aus Angst vor Schmerzen noch nicht richtig heran.

Vom Schleichen um den Brei zum Reden

Dieses sehr anschauliche, tierische Verhalten wurde schnell auf menschliche Eigenschaften übertragen. Wer eine unangenehme Aufgabe vor sich hatte, verhielt sich genau wie die hungrige, aber vorsichtige Katze. Bereits Martin Luther nutzte dieses sprachliche Bild in seinen Schriften.

Mit der Zeit veränderte sich die Redewendung. Das physische „Schleichen“ um eine unangenehme Aufgabe wurde immer häufiger auf die Kommunikation angewandt. Wenn jemand verbale Ausflüchte suchte, schlich er gedanklich um das Thema herum.

So wandelte sich das Schleichen schließlich zum Reden, und die Katze verschwand in der Kurzform des Sprichworts nach und nach aus dem allgemeinen Sprachgebrauch.

Parallelen im Tierreich: Ein instinktives Zögern

Auch heute noch können wir dieses Verhalten bei unseren Haustieren beobachten. Nicht nur Katzen, auch Hunde umkreisen oft Objekte, Futter oder auch andere Tiere, die sie nicht sofort einschätzen können.

Es ist ein instinktiver Schutzmechanismus: Man nähert sich einer potenziell gefährlichen (oder heißen) Situation nur mit größter Vorsicht und von allen Seiten, bevor man den entscheidenden Schritt wagt. Genau das tun wir Menschen auf sprachlicher Ebene, wenn wir um den heißen Brei herumreden.

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