Als sich die Tür zu der Wohnung in Gelsenkirchen-Hassel öffnet, schlägt den Einsatzkräften eine unsichtbare Wand entgegen. Der Gestank nach Fäkalien und beißendem Urin ist so massiv, dass den Rettern der Atem stockt.
Selbst mit dicken Atemschutzmasken müssen sie ihre Arbeit immer wieder unterbrechen und nach draußen flüchten. Was sie im Inneren, auf einem Hinterhof und in einem dunklen Garagenanbau vorfinden, wird selbst von den abgebrühtesten Behördenmitarbeitern nur noch als „Bild des Schreckens“ beschrieben.
Gefängnis aus Kot und Gitterstäben
Insgesamt 14 Hunde und 9 Katzen vegetieren in diesem Albtraum vor sich hin. Die Böden und Möbel der völlig verwüsteten Räume sind zentimeterdick mit Exkrementen überzogen. Viele der Tiere sind in enge Gitterkäfige gepfercht, ohne jede Chance auf ein Entkommen. Andere sind schutzlos im Freien angebunden, der Witterung gnadenlos ausgeliefert.
Die Körper der Hunde erzählen die Geschichte eines monatelangen Martyriums. Ihr Fell ist vom eigenen Urin völlig durchnässt und zu harten Platten verfilzt, in denen alte Kotreste kleben. Bei einigen Tieren sind diese Panzer so schwer und massiv geworden, dass sie sich kaum noch bewegen können.
Offene Wunden klaffen auf der Haut, die Körper sind bis auf die Knochen abgemagert. Wasser und Futter gab es hier schon lange nicht mehr in ausreichender Menge. In den Augen der Tiere liegt nur noch nackte, stumme Panik.
Das eiskalte Geschäft dahinter
Doch das Grauen von Gelsenkirchen hat noch eine zweite, noch dunklere Ebene. Als die Behörden weiter nachhaken, stoßen sie auf eine weitere Wohnung, die von der Halterin genutzt wird. Die Zustände hier sind identisch.
Zwischen Müll und Fäkalien finden die Retter eine völlig erschöpfte Hündin – mit nur einem einzigen Welpen. Die Gitterkäfige in den Räumen lassen keinen Zweifel daran, was hier passiert ist: Der Rest des Wurfes wurde bereits zu Geld gemacht. Die Tiere waren keine Haustiere, sie waren lebendige Ware in einem skrupellosen, illegalen Vermehrungsgeschäft.
Alle 23 Tiere wurden noch am selben Tag befreit und in die Obhut des Tierschutzvereins Gelsenkirchen übergeben, wo nun der lange Weg der medizinischen Heilung beginnt.
Das bitterste Detail dieser Tragödie zeigt sich jedoch erst zum Schluss: Laut Aussagen aus der Nachbarschaft roch es rund um das Gebäude bereits seit dem Jahr 2024 extrem nach Exkrementen. Ein beißender Gestank, der unmöglich zu ignorieren war. Doch niemand griff zum Hörer und meldete den Verdacht - mit tragischen Folgen.