Es ist der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind: Als Jan J., Inhaber einer Kfz-Werkstatt im Kreis Bamberg, morgens sein Gelände betritt, läuft ihm ein völlig durchnässter Hund vor die Füße.
Das Tier ist offenbar schon länger unterwegs, friert, aber zeigt sich von seiner besten Seite: lammfromm, zutraulich und gehorsam. Der Mann zögert nicht. Er greift nach dem Halsband, entdeckt eine Telefonnummer und wählt sie. Er denkt, er tut das Richtige – doch das erweist sich als schreckliche Fehleinschätzung.
Der Finder schlägt Alarm
Eine halbe Stunde später holt der Halter den Hund ab. Die Geschichte hätte hier mit einem schönen Happy End enden sollen. Doch was stattdessen geschah, wird Jan J. so schnell nicht mehr vergessen.
Kurz nach der vermeintlich glücklichen Übergabe wendet sich das Blatt drastisch. Ein Teilelieferant, der gerade an der Werkstatt ankommt, ist völlig aufgelöst. Er hat auf dem Parkplatz etwas beobachtet, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ!
Der Werkstatt-Inhaber und sein Kollege eilen sofort ins Büro und rufen die Bilder der Überwachungskameras ab.
Die grausame Wahrheit auf dem Monitor
Was die Männer auf dem Bildschirm sehen, raubt ihnen den Atem. Zuerst herrscht absolute, beklemmende Stille im Raum. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Hundehalter, dem sie den lieben Vierbeiner gerade noch lächelnd übergeben hatten, sein wahres Gesicht zeigt.
Der Mann zwingt das völlig verängstigte Tier in den Kofferraum seines Autos. Dann greift er zu einem Stock und schlägt mehrfach mit unfassbarer Brutalität auf den wehrlosen Hund ein. Dazu sind panische, herzzerreißende Schreie des Tieres zu hören.
In diesem Moment bereut Jan J. zutiefst, diesem Mann sein Tier wiedergegeben zu haben. „Wir waren erstmal sprachlos“, erinnert er sich fassungslos im Gespräch mit infranken.de. „Es geht einfach nicht, dass man sowas macht.“
Whistleblower sorgt für Gerechtigkeit
Doch der Werkstatt-Chef lässt diese unfassbare Tat nicht ungesühnt. Er meldet den Vorfall sofort dem Veterinäramt. Als die Reaktion auf sich warten lässt, entscheidet er sich zu einem mutigen Schritt: Er spielt das brisante Videomaterial als Whistleblower der Tierrechtsorganisation PETA zu.
Von da an gibt es kein Halten mehr. Die schockierenden Aufnahmen verbreiten sich schnell, PETA erstattet Strafanzeige und der öffentliche Druck wächst zunehmend.
Der Befreiungsschlag
Mit durchschlagendem Erfolg: Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bamberg haben nun knallharte Ermittlungen gegen den Halter wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.
Und das Allerwichtigste für den treuen, durchnässten Hund, der an jenem Morgen doch einfach nur Schutz suchte: Er musste nicht zu seinem Peiniger zurückkehren. Die Behörden griffen ein und übergaben den Hund in die Obhut einer neuen, liebevollen Familie. Dort muss er sich nie wieder vor einem geöffneten Kofferraum fürchten.