Wenn er also eher unsicher ist, muss es doch eine Lösung geben, damit er sich wohlfühlt, oder!??
JAAAAaaa, das ist eine super Frage!!!
Ja, absolut. Und genau da wirst du den feinen Unterschied spüren. Das ist eine super Gelegenheit, deine Führung auf eine konstruktive Art zu etablieren. Ich bin wirklich fest davon überzeugt, dass es eine unserer wichtigsten Aufgaben ist, unseren Hunden zu helfen, ihre Unsicherheiten loszuwerden, egal welche das sind! Bei meiner Hündin hält sich das zwar in Grenzen, ihre größte Unsicherheit ist es, über Gullydeckel zu laufen. Also arbeiten wir daran. Ansonsten verunsichern sie manche Gegenstände, die sie noch nie gesehen hat. Wenn uns sowas begegnet und ich merke, dass sie unsicher wird, kannst du dir sicher sein, dass ich mir die Zeit nehme, sie zu desensibilisieren. Ich lasse sie den Gegenstand berühren oder draufspringen (sie springt auf Kommando).
Dein Hund ist da wahrscheinlich keine Ausnahme. Nimm dir immer die Zeit, ihm zu helfen, seine Unsicherheiten zu überwinden. Und genau diese hier, die Angst vor Begegnungen, ist eine super Sache, an der man arbeiten kann.
Dein Lohn, deine Belohnung als Frauchen, sind die „Tendenz“ und die „Mini-Erfolge“. Ein Mini-Erfolg ist jedes Mal, wenn er sich beschnüffeln lässt, ohne zu meckern. Aber es ist WICHTIG, dass du das bemerkst, wenn es passiert, und ihn belohnst. Feier ihn dann so richtig! Ich sag's nochmal: Wir neigen dazu, uns zu sehr auf unerwünschtes Verhalten zu konzentrieren und vergessen dabei die positiven Momente. Die Basis von R+ ist das Timing, die Synchronität. Wir müssen jedes Mal markern/belohnen, wenn das richtige Verhalten gezeigt wird.
Ich kenne deinen Alltag nicht und würde dir gerne mehr Tipps geben, aber ohne mehr zu wissen, ist das schwierig. Sei kreativ. Ich würde mit diesen Rüden spielen. Zumindest ein bisschen. Beispiel für Kreativität: Heute Mittag wollte meine Hündin bei einem „Routine-Abruf“ im Hundepark nicht kommen. Dabei war ein anderer Hund direkt neben mir. Ich hab dann einfach diesen Hund belohnt und gefeiert! Meine Hündin kam dann an, und ich hab sie ignoriert! Zu spät, meine Süße. 5 Minuten später hab ich es nochmal versucht, und sie kam wie eine Rakete angeschossen. Kreativität.
Wenn ich will, dass sie mit einem neuen Hund spielt, spiele ich normalerweise erst mal selbst mit diesem Hund. Das motiviert meine Hündin mitzumachen, und sobald das Spiel läuft, ziehe ich mich zurück. Kreativität. Man macht halt das Beste aus dem, was man hat.
Noch ein Beispiel für Kreativität: Wenn du am „Platz/Bleib“ arbeitest. Wenn dein „Bleib“ stabil genug ist (und das kann es bei einem BC definitiv werden), kannst du von ihm verlangen, liegen zu bleiben, während er von anderen beschnüffelt wird. Etc. etc... Aber behalte im Hinterkopf (ich denke, das ist mittlerweile klar), dass das keine Frage von Dominanz ist. Deinen Hund zu dominieren, wird ihn bei solchen Begegnungen nicht entspannter machen. Er braucht einfach deine Führung, um diese Unsicherheit zu überwinden, mehr nicht.