Plötzlich hört der Gassi-Gänger hinter sich ein leises Knacken aus dem Unterholz! Instinktiv blickt er sich um – und sein Herz bleibt stehen. Denn mit so einer Begegnung hatte er hier im Nordschwarzwald nicht gerechnet.
Nur sechs Meter entfernt steht eine dunkle Gestalt im Dickicht und fixiert Herrchen und Hund. Dann folgt das Wildtier ihnen in beunruhigend geringer Entfernung. Bis auf gerade mal 6 Meter kommt der Wolf dieses Mal teilweise heran und begleitet sie kilometerweit durch das Gebiet Hornisgrinde.
Unheimliche Begegnungen im Nordschwarzwald
Was wie eine Szene aus einem Thriller wirkt, ist im Schwarzwald längst Realität. Der schleichende Schatten hat einen Namen: Wolf „Grindi“ (GW2672m). Der aus Österreich stammende Rüde wurde 2022 erstmals in Baden-Württemberg nachgewiesen und lebt seit 2023 rund um die Hornisgrinde.
Seit Anfang 2024 gingen mehr als 180 Sichtungsmeldungen ein. Auffällig: Bei etwa der Hälfte waren Hunde dabei.
Hornisgrinde-Wolf: Eine letzte Chance
Statt die Scheu vor dem Menschen zu wahren, sucht das Raubtier immer wieder die direkte Nähe – vor allem, wenn Hunde dabei sind. Ein unberechenbares Verhalten, das Experten tief beunruhigt.
In einzelnen Fällen soll der Wolf Mensch und Hund bis auf rund sechs Meter nahegekommen sein. Im April und Mai 2024 folgte er Menschen mit Hunden sogar über mehrere Kilometer. Fachleute bewerteten dieses Verhalten als problematisch.
Wichtig allerdings: Übergriffig geworden ist „Grindi“ bislang nicht.
Proteste gegen einen Abschuss
Hinter den Kulissen läuft ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit. Frühere Versuche, den Wolf zu besendern und zu vertreiben, scheiterten. Die behördliche Erlaubnis zur Tötung löste bereits gewaltige Proteste und Mahnwachen aus.
Doch die Gnadenfrist für das Wildtier läuft unaufhaltsam ab. Sollte das Verhalten anhalten und mit der Ranzzeit wieder zunehmen, steht eine schwere Entscheidung bevor. Zum Schutz der Menschen müsste erneut über einen Abschuss entschieden werden.
Die letzte Chance auf Rettung
Jetzt wagen die Verantwortlichen ein letztes, hochriskantes Experiment: das sogenannte Umtrainieren. Durch gezieltes Vergrämen soll dem ausgewachsenen Tier beigebracht werden, dass die Nähe zum Menschen Gefahr bedeutet.
Ein Vorhaben, bei dem das Schicksal des Wolfes an einem seidenen Faden hängt. Wer ihm freundlich begegnet, ihn fotografiert oder gar füttert, vereitelt die Rettung. Falsches Verhalten der Besucher könnte am Ende sein Todesurteil bedeuten.