Es wirkt wie die Tat eines barmherzigen Samariters. Ein 43-jähriger Mann betritt das Tierheim Wollaberg in Jandelsbrunn (Niederbayern). Bei sich hat er eine Hündin. Er habe das Tier herrenlos und allein gefunden, sagt er den Mitarbeitern. Er wolle einfach nur helfen und die Hündin in Sicherheit wissen.
Die Tierschützer zögern keine Sekunde, nehmen den Vierbeiner in ihre Obhut und versprechen, alles zu tun, um die Halter ausfindig zu machen. Doch was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Der vermeintliche Retter spielt ein falsches, eiskaltes Spiel! Seine gesamte Geschichte ist von vorne bis hinten erlogen.
"Herrenlosen" Hund im Tierheim abgegeben
Die Pfleger im Tierheim Jandelsbrunn kümmern sich sofort um den Neuzugang. Um den rechtmäßigen Besitzer der Hündin zu finden, nutzen sie den schnellsten Weg der heutigen Zeit: Sie veröffentlichen ein Foto des Tieres auf Facebook. Eigentlich ein ganz normaler Routine-Vorgang, der tagtäglich im Tierschutz praktiziert wird.
Doch diesmal setzt dieser eine Social-Media-Post eine Lawine in Gang, die das Lügenkonstrukt des vermeintlichen Finders wie ein Kartenhaus einstürzen lässt.
Facebook-Post bringt die Wahrheit ans Licht
Der Post verbreitet sich im Netz – und erreicht schließlich genau die richtige Person. Plötzlich meldet sich eine Frau beim Tierheim, der beim Anblick des Fotos der Atem stockt. Sie erkennt das Tier sofort wieder. Es ist Hündin Amy.
Doch die Frau ist nicht die aktuelle Halterin, die ihre Hündin schmerzlich vermisst. Sie ist die Vorbesitzerin. Und sie erinnert sich an ein ganz entscheidendes Detail: Vor einiger Zeit hat sie Amy an einen neuen Halter abgegeben. Als sie den Namen des Mannes nennt, wird im Tierheim schnell klar: Es ist exakt der 43-Jährige, der die Hündin kurz zuvor als „Fundhund“ abgegeben hat! Der angebliche Retter ist in Wahrheit Amys eigenes Herrchen.

Das schockierende Motiv
Mit dieser dramatischen Wendung konfrontiert, bricht die Geschichte des Mannes endgültig zusammen. Warum erfindet jemand eine so dreiste Lüge, um das eigene Haustier heimlich abzuschieben? Die Antwort der Ermittler macht fassungslos: Es ging schlichtweg ums Geld.
Wer seinen Hund im Tierheim abgeben möchte, muss dafür eine offizielle Gebühr entrichten – Geld, das die Heime dringend für Futter, Tierarzt und Pflege benötigen. Durch seine Scharade als ehrlicher Finder wollte sich der Mann die Kosten für die Tierabgabe in Höhe von rund 500 Euro erschleichen.
Für diesen feigen Versuch, ein paar Hundert Euro auf dem Rücken seines wehrlosen Tieres zu sparen, muss er sich nun vor der Polizei verantworten. Ihm droht eine Anzeige wegen Betrugs.
„Besitzt bitte den Mut“: Tierschützer apellieren
Während die Behörden den Fall aufarbeiten, bleibt Hündin Amy vorerst im Tierheim. Auf die kleine Hündin wartet nun erst einmal eine Menge Fürsorge, denn laut einem Sprecher muss sie nach den Strapazen der letzten Zeit dringend aufgepäppelt werden.
Das Tierheim Jandelsbrunn nimmt diesen unfassbaren Vorfall zum Anlass, um mit einem emotionalen, aber unmissverständlichen Appell an die Öffentlichkeit zu gehen. Auf Facebook richten sich die Retter direkt an alle Tierhalter:
„Liebe Tierbesitzer, wenn ihr euch, aus welchen Gründen auch immer, von eurem Tier trennen müsst, dann macht es bitte auf dem richtigen, offiziellen Weg! Besitzt bitte den Mut und ruft bei uns an.“
Die Geschichte von Amy zeigt einmal mehr, wie wichtig Ehrlichkeit im Tierschutz ist. Ein Tier abzugeben ist das eine – ihn jedoch auf eine so hinterlistige Art abzuschieben, macht einfach nur sprachlos.