Hund zwischen Getreidefeldern
© Gabyvig / Shutterstock (Symbolbild)

„Total panisch“: Mysteriöses Phänomen macht Spaziergänge aktuell zur absoluten Hölle!

von Stefanie Gräf

Stille … und dann das blanke Entsetzen! Unheimliche Geräusche versetzen Hunde in NRW seit Wochen in Dauerpanik. Ihre Halter sind verzweifelt.

Es passiert ohne jede Vorwarnung. Manchmal herrscht eine halbe Stunde lang absolute Stille. Man wagt den Schritt vor die Tür. Und genau in diesem Moment bricht die Hölle los! Ein ohrenbetäubender Knall zerreißt die Luft, hallt kilometerweit über die Felder und lässt Mensch und Tier augenblicklich erstarren.

Dabei ist ein entspannter Spaziergang zwischen sommerlichen Feldern eigentlich die perfekte Erholung, wenn Halter und Hund zur Ruhe kommen wollen. Doch die ländliche Idylle täuscht – jedenfalls in Büderich bei Werl (NRW).

Schlimmer als Silvester

Seit Wochen herrscht in Büderich wegen der Geräusche ein Zustand der permanenten Anspannung. Das Problem sei dabei nicht nur die enorme Lautstärke des mysteriösen Geräuschs, wie Tierhalter im Gespräch mit soester-anzeiger.de erklären, es sei die absolute Ungewissheit.

Während das Feuerwerk an Silvester zeitlich absehbar ist und man entsprechende Vorsichtsmaßnahmen für Haustiere ergreifen kann, wisse hier seit Wochen niemand, wann es wieder knallt – und wann nicht.

Die psychischen Folgen für die Tiere seien verheerend. Berichte der Anwohner zeichnen jedenfalls ein düsteres Bild: Hunde, die seit Wochen unter permanentem Stress stehen und unkontrolliert zittern. Eine Hündin soll mittlerweile sogar so traumatisiert sein, dass sie aus purer Angst in die eigenen vier Wände macht.

Das besonders Fatale dabei: Selbst das eigene Zuhause biete nur noch bedingt Schutz, da der Schall durch die Wände dringt.

Die Ursache des Geräuschs

Die Quelle des Schreckens ist technischer Natur und strategisch platziert. Es handelt sich um automatisierte, gasbetriebene Selbstschussanlagen, die auf den Feldern rund um Büderich installiert sind. Ihr Zweck: Vögel wie Tauben und Krähen durch unregelmäßige Detonationen davon abzuhalten, die jungen Gemüsepflanzen zu fressen.

Und genau hier liegt das psychologische Dilemma für die Hunde: Die Anlagen müssen unberechenbar sein. Würden die Knallgeräusche in festen Intervallen erfolgen, hätten die intelligenten Vögel den Rhythmus längst durchschaut und die Ernte vernichtet. Was die Vögel austrickst, treibt die Hunde jedoch in den Wahnsinn.

Dilemma ohne einfachen Ausweg

Die Fronten in Werl sind inzwischen verhärtet. Die Landwirte, vertreten durch den Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, betonen die wirtschaftliche Notwendigkeit der Schreckanlagen. Ohne deren Einsatz würden existenzbedrohende Ernteausfälle bei steigenden Produktionskosten drohen. 

Gesetzlich ist der Einsatz der Anlagen übrigens absolut legal und genehmigungsfrei, solange die Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr eingehalten wird.

Ein von den Hundehaltern vorgeschlagener Kompromiss – feste Ruhezeiten am Morgen und Abend für unbeschwerte Spaziergänge – wird von der Landwirtschaft als nicht umsetzbar abgewiesen. Die Vögel würden diese Pausen sofort für sich nutzen.

Solange die sensible Pflanzphase andauert, bleibt den Tierhaltern in Büderich also nur das Hoffen auf ein schnelles Ende der Saison.

@recklinghaeuserzeitung Der Landwirt, dem das von vielen verhasste Knallgerät auf einem Feld in Suderwich gehört, ist Christoph Heimann. Er erklärt, warum es für ihn ohne nicht geht. Das ganze Video: https://tinyurl.com/26cqyxvc   #vogelabwehr#landwirtschaft#landwirt#vogelabwehrgeraet#kraehen#mais#maisernte#recklinghausen#stadtrecklinghausen ♬ Originalton - Recklinghäuser Zeitung
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