In einem anderen Post hatte ich ja versprochen, dass ich mal eine Aufstellung mache, was eine „Hobbyzucht“ im Durchschnitt so einbringt. Ich dachte mir, das könnte für alle mal ein interessanter Richtwert sein, deshalb mache ich hier mal ein eigenes Thema dazu auf. Ich bin jetzt nicht von einem einzelnen Wurf ausgegangen – denn jeder weiß, dass der erste Wurf extrem teuer ist – sondern von einer Basis mit 3 Zuchthunden, die als Welpen (ca. 2-3 Monate alt) gekauft wurden: 2 Hündinnen und 1 Rüde. Die Würfe fangen mit ca. 2 bis 2,5 Jahren an und hören mit 5 bis 5,5 Jahren auf. Ich habe mit einem Wurf pro Jahr gerechnet, also insgesamt 3 Würfe pro Hündin in ihrem Leben. Der Rüde deckt zweimal pro Jahr (nicht hintereinander) und hört ebenfalls mit 5 Jahren auf (das ist für mich das ethische Maximum). Ich habe ausgerechnet, was diese Hunde und die Welpen über 5 Jahre kosten (bis die Hunde in Rente gehen), wobei es in 3 dieser Jahre Welpen gibt. Ich bin von einem Durchschnitt von 5 Welpen pro Wurf ausgegangen (was so der allgemeine Durchschnitt ist, auch wenn es je nach Rasse variiert). Ich bin kein Profi, aber da ich selbst mal züchten wollte, hatte ich mir das mal durchgerechnet. Wenn man das alles sieht, merkt man schnell, dass beim Züchten nicht viel hängen bleibt. Und ich glaube, ich habe beim Budget sogar eher am untersten Limit gerechnet. Ich erkläre euch die Rechnung, und am Ende teile ich das Ganze auf, um zu sehen, was ein Wurf im Schnitt kostet, wenn man alle Kosten über 5 Jahre abzieht (natürlich kostet der Hund danach auch noch Geld, aber er ist dann nicht mehr in der Zucht). Da ich das Gesamte berechne, hoffe ich, dass es nicht zu unübersichtlich wird – ich gehe unten ins Detail.
Fangen wir mal mit den Zuchthunden an:
- Anschaffungspreis: Zwischen 1000 € und 1500 € pro Welpe. Rechnen wir mal mit einem Schnitt von 1250 €, macht bei 3 Welpen 3750 €. (Man kann natürlich auch nur 2 Hündinnen nehmen und extern decken lassen oder bereits fertige, angekörte erwachsene Hunde kaufen, aber dann wird es teurer).
- Fahrtkosten: Um die Welpen abzuholen (bei „beliebten“ Hunden findet man vielleicht was in der Nähe, aber bei selteneren Rassen hat man schnell mal 500 km auf dem Tacho). Ich rechne mal mit 400 € pro Hin- und Rückfahrt. Da der Rüde wahrscheinlich woanders herkommt (selten haben Züchter zwei völlig verschiedene Linien da), verdoppelt sich das auf 800 € (man muss die Hündinnen ja nicht am selben Ort kaufen, ich rechne hier mal sparsam).
- Entwurmung: Absolutes Minimum 2-mal pro Jahr, bei einer tragenden Hündin mindestens 4-mal. Ich zahle bei meinem Tierarzt 10 €. Ein Welpe muss bis zum 6. Monat jeden Monat entwurmt werden, und die Würfe starten mit ca. 2 Jahren. Für eine Hündin macht das in 5 Jahren etwa 190 €, für einen Rüden 130 €. Bei 2 Hündinnen landen wir also bei 510 € in 5 Jahren.
- Floh- und Zeckenschutz: Hält einen Monat, ich rechne mal mit durchschnittlich 10 € pro Pipette. Das Ganze ab dem Welpenalter (2-3 Monate) bis zur Rente nach 5 Jahren. Macht 580 € pro Hund in 5 Jahren, also bei 3 Hunden 1740 €.
- Hundefutter: Ich persönlich würde wohl BARFen, aber ich habe mal ein gutes Futter genommen, das etwas günstiger als Orijen, aber trotzdem hochwertig ist. Ich bin von 300 g Purizon ausgegangen, was für einen Hund von ca. 22-23 kg reicht. Für 3 Hunde macht das ca. 1240 € pro Jahr. Auf 5 Jahre bis zur Rente sind das 6200 €. Da eine Hündin während der Trächtigkeit und der Säugezeit mehr frisst (besonders im zweiten Monat und in den ersten 4 Wochen nach der Geburt), kann man locker 100 € pro Jahr dazurechnen. Also 500 € auf 5 Jahre, macht insgesamt 6800 €.
- Impfungen: Auch wenn ich kein Fan von ständigem Nachimpfen bin – wenn man auf Ausstellungen geht, muss man die Hunde oft impfen lassen, da kommt man nicht drumherum. Ich rechne mal 55 € pro Impfung (inklusive der Auffrischung mit 3 Monaten). Das macht 330 € pro Hund in 5 Jahren, also 990 € für alle drei.
Das ist also das, was die Elterntiere brauchen, um gut zu leben. Verletzungen, Leinen, Halsbänder, Körbchen usw. habe ich da noch gar nicht mitgerechnet.
Insgesamt: 14.590 € nur für die Grundbedürfnisse der 3 Hunde über 5 Jahre hinweg.
Dann haben wir die Hunde, sie sind gut genährt, und jetzt kommen die Gesundheitstests, damit wir auch wirklich gesunde Welpen züchten.
- Ataxie-Test: ca. 90 € pro Test, bei 3 Hunden 260 €.
- Hüftdysplasie (HD) mit Auswertung durch den Rasseclub: im Schnitt 150 € pro Hund, also 450 € für 3 Hunde.
- Ellbogendysplasie (ED): Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, der Preis ist ähnlich, also 450 € für 3 Hunde.
- DNA-Screening auf Erbkrankheiten: Schnitt 80 €, also 80 x 3 = 240 €.
- Genetische Identität (DNA-Profil): ca. 55 €, 55 x 3 = 165 €.
- Jährliches Blutbild: 80 € für 3 Hunde, also 240 € pro Jahr. Auf 3 Jahre gerechnet sind das 720 € für alle Hunde (es ist natürlich besser, das auch davor und danach weiterzumachen).
- Augenuntersuchungen: Im Schnitt 50 € pro Hund (sollte jedes Jahr gemacht werden, solange der Hund in der Zucht ist). 50 x 3 = 150 € pro Jahr, also 450 € über 3 Jahre.
Für alle Gesundheitstests (wobei manche Rassen wie der Aussie noch mehr Tests brauchen, die ich hier gar nicht alle aufgeführt habe): mindestens 2735 €.
Jetzt haben wir die Zuchthunde, aber wir müssen auch auf ein paar Ausstellungen, und das wird auch teuer.
- Zuerst die Zuchtzulassung (Körung): 25 € pro Hund (wenn der Hund aus dem Ausland kommt, eher 60 €), macht 75 €.
- Dann die Shows: Ich habe mal geschaut, die Anmeldung kostet wohl zwischen 20 und 40 € pro Hund. Rechnen wir mal mit 3 Shows pro Jahr ab dem Alter von einem Jahr, bei 30 € Meldegebühr pro Hund. Das sind 90 € pro Ausstellung, also 270 € pro Jahr und 1080 € über 5 Jahre.
- Das Teuerste sind wohl die Fahrtkosten: Die Ausstellungen sind selten um die Ecke. Dazu kommen Hotelkosten (oder Ferienwohnungen, ich mag persönlich Pensionen lieber), die Hunde am Wochenende akzeptieren. Mindestens 60 € pro Nacht, oft bleibt man zwei Nächte. Manchmal muss man 500 km fahren (1000 km hin und zurück). Ich würde sagen, pro Jahr ist man locker bei 1500 € Fahrt- und Übernachtungskosten. Und da bin ich, glaube ich, noch sehr großzügig. Wer direkt neben einem Ausstellungsort wohnt, hat Glück (Fahrgemeinschaften helfen auch). Den Verschleiß am Auto rechne ich gar nicht erst mit. Und eigentlich bräuchte man fast schon einen Transporter statt eines Kleinwagens, was wieder Kosten verursacht. 1500 € x 4 = 6000 €.
- Für die Ausstellungen braucht man Transportboxen (auch für den Alltag sinnvoll): Mindestens 250 € für eine gute Box, macht 750 € für 3 Hunde.
Kosten für Ausstellungen: 7905 €.
Wenn der Hund dann seine Titel oder die Zulassung hat, geht es an den Deckakt:
- Progesteron-Tests (oft braucht man 2 Anläufe): ca. 30 € pro Test, macht 120 € im Jahr für zwei Würfe, also 360 € für 3 Jahre.
- Deckmeldung: 10 €, macht 60 € für 3 Jahre.
- Hormonchecks während der Trächtigkeit: ca. 30 €, zweimal nötig: 60 € pro Trächtigkeit, 120 € pro Jahr, also 360 € für 3 Jahre.
- Wenn man die genaue Anzahl der Welpen wissen will: 1 Ultraschall und später ein Röntgenbild (genauer, aber teurer). Kostet im Schnitt 110 € pro Trächtigkeit: also 220 € pro Jahr, 220 x 3 = 660 € für 3 Jahre.
- Kauf einer Wurfkiste (wenn man nicht selbst baut): 220 €.
- Eine Tierwaage (für größere Welpen, die nicht auf die Küchenwaage passen): im Schnitt 315 €.
- Wärmelampe: Ich bin kein Experte, aber sagen wir mal eine pro Jahr für 15 €: 15 x 3 = 45 €.
- Für die Wurfkiste braucht man unten was Wasserdichtes, z. B. Gummimatten für ca. 30 €.
- Darüber kommen dann Isolierdecken (Vet-Beds). Find ich besser als normale Decken, weil die Welpen nicht drunter krabbeln und ersticken können, aber sie sind teurer. Man braucht mindestens zwei (eine in der Wäsche, eine in der Kiste): 50 € pro Wurf. Da die Dinger durch Urin etc. nicht ewig halten, rechne ich eine pro Jahr: 50 x 3 = 150 €.
- Woran man oft nicht denkt: Latexhandschuhe für die Geburt oder um die Welpen am Anfang anzufassen, ca. 20 € pro Jahr, also 20 x 3 = 60 €.
- Desinfektionsgel: ebenfalls 20 x 3 = 60 €.
- Halterung für die Wärmelampe (wenn man kein Bastler ist): ca. 30 €.
Etwa 1615 € für die Vorbereitung der Geburt.
So, die Welpen sind da, im Idealfall sind alle gesund, es sind 5 Welpen. Jetzt müssen wir uns um die Kleinen kümmern.
- Welpenauslauf (nicht zwingend, wenn man ein komplett sicheres Zimmer hat, aber für die Sozialisierung ist das Wohnzimmer besser). Ein guter Auslauf, den man auch als Schutzgitter nehmen kann, kostet ca. 180 €.
- Welpenhalsbänder zur Identifikation: ca. 17 € für 12 Stück, vielleicht muss man mal neue kaufen: 24 €.
- Ein Chiplesegerät (haben Züchter oft selbst): 70 €.
- Welpenmilch (mit Fläschchen, falls ein Welpe zu schwach ist, kommt bei großen Würfen oft vor). Ich schätze das Risiko mal auf 1 Welpe alle 2 Würfe: 40 x 3 = 120 €.
- Edelstahlnäpfe für Welpen: ca. 20 €.
- Entwurmung der Welpen (wenn sie mit 8 Wochen ausziehen, müssen sie 4-mal entwurmt sein): ca. 200 € pro Wurf, also 1200 € in 3 Jahren.
- Flohschutz für Welpen (ab 6 Wochen): ca. 10 € pro Welpe bei 5 Welpen und 2 Würfen pro Jahr = 100 € im Jahr, 300 € für 3 Jahre.
- Mikrochip: ca. 70 € im Schnitt, bei 5 Welpen und 2 Würfen pro Jahr sind das 350 € pro Wurf, 700 € im Jahr, also 2100 € in 3 Jahren.
- Impfungen: ca. 50 € im Schnitt, macht 500 € im Jahr, also 1500 € in 3 Jahren.
- Spielzeug (ganz wichtig für die Sozialisierung mit Geräuschen etc.): mindestens 100 € pro Jahr (da vieles schnell kaputtgeht), also 300 €.
- EU-Heimtierausweis: ca. 15 €, also 75 € pro Wurf, 150 € im Jahr, 450 € in 3 Jahren.
- Welpenfutter: ca. 130 € Trockenfutter pro Wurf, 260 € im Jahr, 780 € für 3 Jahre.
- Ahnentafeln: 25 € pro Welpe, macht 125 € pro Wurf, 250 € im Jahr, 750 € für 3 Jahre.
Das macht 6294 € für die Welpen.
Dazu kommen noch sonstige Kosten:
Strom (Wärmelampe läuft 24/7), Wasser, Waschmaschine (läuft ständig), Sachen, die die Welpen kaputtmachen usw.: Ich setze mal 150 € pro Jahr mit Würfen an, also 450 € für 3 Jahre.
Insgesamt 33.585 € Kosten über 5 Jahre für 6 Würfe. Das macht 5598 € Kosten pro Wurf.
Und jetzt schauen wir uns mal die Einnahmen an.
5 Welpen für je 1000 € verkauft (auch wenn man sie eigentlich für 1250 € verkauft, muss man bedenken, dass ein Welpe Fehler haben kann, z. B. Einhoder, und dann günstiger abgegeben wird).
Das macht 5000 € (Aua, das tut schon weh, fast 600 € Verlust).
Aber das ist noch nicht alles, denn auf diese 1000 € kommt noch die Mehrwertsteuer. Ein Welpe bringt dir also eigentlich nur 800 € ein. Du hast also 4000 € „Gewinn“ gegenüber ca. 5600 € Kosten. Das sind 1600 € Verlust pro Wurf.
Wenn Leute sagen, dass Züchter sich eine goldene Nase verdienen, frage ich mich echt, wo. Eine gute Zucht ist oft ein Minusgeschäft, und ich habe hier sogar noch die „schöne“ Variante gerechnet. Klar gibt es für Züchter manchmal Rabatte auf Produkte, aber ich habe das Risiko eines Wurfes (Komplikationen etc.), das extrem schnell teuer wird, hier gar nicht mit drin. Außerdem wird nicht aus jedem Welpen ein guter Zuchthund, manchmal muss man wieder bei null anfangen. Auch das Haus muss man oft erst mal zuchttauglich umbauen.
Ich hoffe, ihr versteht meine Rechnung. Ich habe die Vorbereitung ab der Auswahl der Zuchthunde und alle Kosten bis zur Rente mit einbezogen (Rente heißt ja nicht weggeben, man kann seine Hunde ja behalten, so würde ich das machen).
Das alles nur, um zu zeigen, dass Züchter sein echt kein einfacher Job ist. Man sollte nicht denken, dass die Leute damit das große Geld machen. Die Kosten sind enorm, und oft verdient man jahrelang gar nichts. Ich lese hier oft Kommentare (egal ob über Züchter, Privatleute oder Zoohandlungen), und ja, vielleicht verdienen „Vermehrer-Fabriken“ Geld, aber echte Züchter legen oft drauf. Es ist in erster Linie eine Leidenschaft.