Du musst wirklich ganz behutsam mit ihm umgehen und darfst ihn zu nichts zwingen, sonst steigerst du nur seine Angst vor Dingen, die er noch nicht kennt.
Setz voll auf Belohnungen: Trockenfutter (am besten bevorzugt nehmen und von der Tagesration abziehen), Leckerlis, kleine Fleischstückchen oder Käsewürfel. Das ist absolut okay so.
Wir haben Noisette 1998 adoptiert. Sie ist ein Cavalier King Charles und blieb bis zum 14. Monat beim Züchter, weil ihr Becken zu schmal für die Zucht war. Die Züchter haben sie dann an einen Mann verkauft, der sie seiner 84-jährigen Schwiegermutter geschenkt hat.
4 Monate später musste die Dame ins Krankenhaus und Noisette landete wieder beim Schwiegersohn, der das seinem Tierarzt erzählte. Der Tierarzt hat uns dann von ihr berichtet, wir sind hin, um sie uns anzusehen, und der Typ hat sie uns direkt weiterverkauft.
So haben wir Noisette mit 18 Monaten bekommen, und sie war völlig durch den Wind: Die ersten drei Tage hat sie sich nur unter der untersten Treppenstufe versteckt. Sie wollte ihr Trockenfutter absolut nicht anrühren. Am dritten Abend hat meine Mutter ihr einen Teller mit Blumenkohl und Schinken hingestellt – genau das, was wir auch gerade gegessen haben. Meine Mutter ist dann wieder an den Tisch gegangen. Noisette ist heimlich rausgehuscht, hat den Teller ratzfatz leergefuttert und sich sofort wieder verkrochen.
Wir haben dann gemerkt, dass sie nicht stubenrein war: Jeden Tag Pipi und Kacka im Haus. Eines Tages, als meine Mutter gerade alles weggemacht und den Wischmop auf dem Boden liegen gelassen hatte, sah sie, wie die Kleine darauf pinkelte und dabei total erleichtert und glücklich aussah, so nach dem Motto: „Siehst du, ich mach es dahin, wo es hingehört.“ Wir haben daraus geschlossen, dass sie bei der alten Dame wohl nie aus der Wohnung gekommen ist und die Haushaltshilfe ihr beigebracht hatte, auf den Wischmop zu machen... Beim Gassi gehen hatte sie vor allem Angst und ist meiner Mutter nicht von der Seite gewichen. Wir haben alles Mögliche versucht... wir waren am Ende so verzweifelt, dass wir sogar zusammen mit ihr im Garten Pipi gemacht haben, um es ihr „zu zeigen“. Letztendlich hat sie erst aufgehört, jede Nacht ins Haus zu machen, als meine Mutter sie bei sich im Schlafzimmer schlafen ließ... Ganze 10 Monate nach der Adoption...
3 Monate nach der Adoption sind wir schließlich die 350 km bis zu ihrem Züchter gefahren, um zu verstehen, was sie in den ersten 14 Monaten ihres Lebens erlebt hat, weil wir sie einfach nicht richtig verstanden haben. Da haben wir dann einiges über ihr Leben beim Züchter erfahren und auch über die 4 Monate danach... unter anderem, dass die alte Dame sich eigentlich nur mit Katzen auskannte – eine Info, die wir vorher nicht hatten.
Sie hat sich von der Züchterin auf den Arm nehmen lassen und war ganz ruhig bei ihr. Aber als die Züchterin sie wieder auf den Boden gesetzt hat, ist Noisette ganz schnell wieder ins Auto gesprungen (Puh! Wir hatten schon Angst, dass sie dort bleiben will).