Sie hat sich dieses Leben nicht ausgesucht. Nach einer kräftezehrenden Scheidung, systematischem Mobbing am Arbeitsplatz und der Diagnose einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung brach die Welt einer 50-jährigen Niederländerin vollends zusammen.
Die Konsequenz: Erwerbsunfähigkeit. Der Weg führt sie seit zweieinhalb Jahren regelmäßig zur Tafel in Gorinchem (Niederlande). Wo früher finanzielle Unabhängigkeit herrschte, entscheidet heute der Blick in die Ausgabekisten darüber, was in der kommenden Woche auf den Teller kommt.
Arme Hundehalterin muss zur Tafel
Doch der wahre Spießrutenlauf beginnt an den Kassen und in den Fluren. Um überhaupt wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und nicht in völliger Isolation zu versinken, hält die Frau eisern an zwei Konstanten fest: ihren beiden Hunden und einem alten Auto.
Wie sie der Zeitung „Algemeen Dagblad“ berichtet, muss sie genau planen. Jeder verbleibende Cent wird akribisch kalkuliert und fließt in Tierfutter und Kraftstoff. Die Tiere geben ihr Tagesstruktur und die emotionale Stabilität, die kein Amt ersetzen kann.
Dennoch heißt es von Passanten und Mitmenschen immer wieder eiskalt: „Dann wirst du eben die Hunde los!“
Grausamer Rat trifft mitten ins Herz
Ein Satz wie ein Schlag ins Gesicht. Vorwürfe dieser Art spiegeln eine zunehmend verhärtete gesellschaftliche Haltung wider: Wer jeden Cent umdrehen muss, so die Meinung vieler Kritiker, habe kein Recht auf das Versorgen von Mitorganismen.
In staatlichen Regelsätzen ist für Haustiere kein Cent vorgesehen. Und während Tierschutzpraxen und Tiertafeln unter dem Ansturm betroffener Halter zusammenbrechen, stellen sich viele Betroffene eine drängende Frage: Verzichten wir lieber selbst auf das Nötigste – oder lassen wir uns den letzten Rest unserer Würde nehmen?
Zwei treue Begleiter geben ihr Halt
Heute erhält die 50-Jährige eine niederländische Erwerbsunfähigkeitsleistung. Doch das Geld reicht nicht aus. Seit zweieinhalb Jahren ist sie auf die örtliche Tafel angewiesen.
„Die Menschen haben manchmal keine Ahnung, was ein Tier bringen kann“, erklärt sie gegenüber dem „Algemeen Dagblad“.
Bemerkenswert ist dabei: Über die Tafel selbst verliert sie kein schlechtes Wort. Im Gegenteil. Sie ist dankbar für die Unterstützung und das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Dürfen arme Menschen Hunde haben?
Die Geschichte berührt eine Frage, über die auch in Deutschland leidenschaftlich gestritten wird. In einer Facebook-Diskussion über Tierfutter bei der Tafel verteidigen zahlreiche Nutzer bedürftige Tierhalter.
„Was ist mit den Leuten die vorher schon ein Tier hatten und dann unverschuldet in Not geraten sind? Sollen die dann ihr Tier weggeben?“, fragt eine Kommentatorin.
Andere sehen die Sache kritischer. Wer sich ein Tier anschaffe, müsse schließlich auch Futter und Tierarztkosten bezahlen können. Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich Menschen das Thema bewerten.
Doch der Fall der 50-Jährigen macht auch deutlich, was bei solchen Forderungen leicht übersehen wird: Ein Hund ist nicht einfach irgendein Kostenfaktor, den man aus dem Haushaltsbudget streichen kann.
Und die Frage bleibt: Muss ein Mensch, der unverschuldet in finanzielle Not gerät, deshalb auch noch seine Tiere verlieren?