Auf dem Gelände des Tierheims Reutlingen (Baden-Württemberg) bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick. In einer großen Wanne liegt ein totes Tier. Die Hunde in der Nähe haben längst bemerkt, dass hier etwas Besonderes auf sie wartet.
Denn das Tierheim geht bei der Fütterung seiner Schützlinge neuerdings einen Weg, der ziemlich makaber klingt. Die zentrale Frage dabei: Ist das eine geniale Idee angesichts der chronischen finanziellen Probleme deutscher Tierheime - oder geht das Ganze zu weit?
Pilotprojekt: Tierheim spart beim Futter
Nahezu jede Nacht spielt sich auf deutschen Landstraßen ein bekanntes Drama ab: Unfälle mit Wildtieren. Diese tragischen Kollisionen werfen eine unbequeme Frage auf: Was passiert mit den Opfern, wenn die Straße wieder freigegeben ist?
Das Tierheim Reutlingen geht nun im Rahmen eines Pilotprojektes einen Weg, der die Gemüter erhitzt. Unfallwild landet hier direkt im Futtertopf der vierbeinigen Heimbewohner.
Statt verendetes Wild einfach zu entsorgen, arbeitet das Team mit der örtlichen Jägervereinigung zusammen. Geeignete Rehe werden fachgerecht verarbeitet, gekocht und anschließend verfüttert.
Tiere profitieren von Wildunfällen
Die Überlegung dahinter ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: Warum wertvolles Fleisch wegwerfen, wenn es noch sinnvoll verwendet werden kann?
Für das Tierheim kommt diese Möglichkeit gerade zur richtigen Zeit. Die Futterkosten steigen. Gerade Einrichtungen, die zahlreiche Hunde versorgen müssen, stehen deshalb unter finanziellem Druck. Das kostenlos bereitgestellte Wildfleisch könnte die Ausgaben zumindest teilweise senken.
Das Rehfleisch könnte zudem für manche Hunde mit Futtermittelunverträglichkeiten interessant sein, die bislang auf teures Spezialfutter angewiesen sind.
Nicht alles wandert in den Topf
Doch nicht jedes Unfallopfer kommt infrage. Wildschweine sind wegen tödlicher Krankheitserreger tabu, ebenso Parasitenträger wie Füchse. Nur einwandfreie Rehe werden unter strengen Auflagen zerlegt und stundenlang abgekocht.
Während Tierschutzverbände vor enormen Hygiene- und Seuchenrisiken warnen und den enormen Prüfaufwand kritisieren, sieht die Community im Netz darin eine vernünftige Lösung. Für die einen ist es eine skrupellose Grenzüberschreitung, für die anderen schlichtweg nachhaltige Resteverwertung in Zeiten knapper Kassen.