Leine eingepackt, Kotbeutel dabei – und los geht die Gassi-Runde. Für die meisten Hundehalter ist damit alles Wichtige verstaut. Doch das könnte bald ein massiver Trugschluss sein, der strafbar ist. Denn in Europa gehen Städte zunehmend dazu über, noch auf eine weitere Sache beim Gassi wert zu legen!
In südeuropäischen Metropolen wie Barcelona, Valencia oder Málaga ist die neue eiserne Gassi-Regel bereits gang und gäbe. Auch in Italien, Frankreich und der Schweiz wächst der Druck auf Tierhalter spürbar. Nun schließt sich auch noch die österreichische Hauptstadt Wien an - mit Signalwirkung für Deutschland?
Gassi nie wieder ohne „Flascherl“
Die Regel: Wer den Urin seines Hundes nicht sofort spurlos beseitigt, wird in spanischen Metropolen rigoros zur Kasse gebeten. Die Ordnungshüter verhängen vor Ort saftige Geldstrafen, die schnell zwischen 150 und 750 Euro liegen.
Denn das „kleine Geschäft“ entwickelt sich in vielen Kommunen zu einer schleichenden Bedrohung für das Stadtgrün: Hochkonzentrierte Harnsäure greift die feine Rinde junger Stadtbäume an, schwächt deren Schutzschicht und ebnet gefährlichen Pilzen sowie Schädlingen den Weg ins Innere des Stammes.
Zudem zerfressen die Rückstände historische Fassaden, Laternenmasten und Parkbänke – Schadenssummen in Millionenhöhe sind die Folge. Ganz abgesehen von der latenten Geruchsbelästigung bei hochsommerlichen Temperaturen.
Jetzt auch im deutschsprachigen Raum!
Jetzt erreicht die neue Vorschrift auch mitteleuropäische Bezirke. Im Wiener Bezirk Neubau startet das Projekt „Schönes Gassi“, das den Alltag von Hunderten Tierhaltern grundlegend verändert. Die gewohnte Plastiktüte für das Häufchen reicht künftig nicht mehr aus.
Ab sofort gilt eine klare Auflage: Das Mitführen einer gefüllten Wasserflasche - auf Wienerisch Flascherl - wird zur Pflicht. Herrchen und Frauchen sind dazu angehalten, das flüssige Geschäft direkt nach dem Wasserlassen mit frischem Leitungswasser wegzuspritzen, um die schädliche Konzentration von Ammoniak an Ort und Stelle neutralisieren zu können.
Schutz der Stadtbäume
Hinter dem zunächst etwas kurios klingenden „Flascherl“ steckt ein handfestes Problem. Stadtbäume sind ohnehin vielen Belastungen ausgesetzt. Hitze, Trockenheit, verdichtete Böden, Schadstoffe und Zigarettenstummel machen ihnen zu schaffen. Hundeurin kommt als zusätzlicher Stressfaktor hinzu.
Im Bezirk Neubau wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 250 neue Bäume gepflanzt. Sie sorgen für Schatten, Kühlung und ein angenehmeres Mikroklima – und sollen deshalb möglichst geschützt werden.
Ein Bußgeld bei Zuwiderhandlung ist derzeit allerdings noch nicht geplant. Das Projekt, das laut SWR3 auch Hundehalter mitentwickelt haben, setzt vielmehr darauf, dass Hundehalter die zusätzliche Routine übernehmen.
Umdenken statt Hunde-Verbote
Fachleute und Tierärzte begrüßen das schrittweise Umdenken, um drohenden Hundeverboten in Innenstädten vorzubeugen. Statt Konfrontation brauche es gezielte Aufklärung und gegenseitige Rücksichtnahme.
Experten raten Hundehaltern deshalb, sich die neue Routine mit der Wasserflasche am Gürtel schon jetzt fest anzugewöhnen – nicht nur, um das Stadtgrün zu schonen, sondern auch, um böse Überraschungen und teure Knöllchen im nächsten Urlaub zu vermeiden.