Es ist gegen 1.20 Uhr, als zwei Polizisten im Juni 2024 in Bedburg-Hau zu einem ungewöhnlichen Einsatz gerufen werden.
Als die Streife vor Ort eintrifft, bietet sich den Beamten ein beklemmendes Bild: Eine Katze liegt völlig reglos auf dem harten Asphalt, Blut läuft dem Tier aus dem Maul. Offenbar hat ein vorbeifahrendes Auto das Tier kurz zuvor erfasst und schwer verletzt zurückgelassen.
Dilemma am Straßenrand
Für die Polizisten steht schnell fest, dass hier jede Hilfe zu spät kommt. Ihnen bleibt nach ihrer Überzeugung nur eins: das Leiden des Tieres so schnell wie möglich zu beenden. Doch das erweist sich als kompliziert.
Ein Schuss aus der Dienstwaffe scheidet aus, da bei dem harten Untergrund lebensgefährliche Querschläger drohen. Auch ein Anheben oder Verschieben der Katze ist aufgrund ihrer massiven Verletzungen unmöglich, ohne ihr unerträgliche Qualen zuzufügen.
Also treffen die Einsatzkräfte eine unkonventionelle Entscheidung: Sie nutzen kurzerhand ihren Einsatzwagen, um das Tier zu überrollen...
Zwei Jahre im Eisfach
Was als schnelle Notfallmaßnahme in der Nacht gedacht ist, entwickelt nach der Meldung einer Zeugin ein jahrelanges juristisches Nachspiel. Über zwei Jahre zieht sich die rechtliche Aufarbeitung hin.
Die Behörden lassen nichts unversucht und ordnen sogar ein tierpathologisches Gutachten an: Der Leichnam des Tieres wird monatelang in einer Kühltruhe aufbewahrt und schließlich geröntgt, um im Detail zu klären, ob und wie lange das Tier beim Überrollen noch gelitten hat.
Das Urteil der Richter
Unabhängig vom juristischen Verfahren bleibt das Vorgehen umstritten. Der Deutsche Tierschutzbund gibt zu bedenken, dass sich bei der in Bedburg-Hau gewählten Methode eben nicht zweifelsfrei garantieren lässt, dass das Ende für ein Tier völlig schmerzfrei eintritt.
Nun setzte das zuständige Amtsgericht Anfang Oktober 2026 dem jahrelangen Tauziehen ein Ende. Die Anträge auf eine Bestrafung der Beamten wurden entschieden zurückgewiesen!
Die Richter fanden dabei deutliche Worte: Es sei eine paradoxe Situation, wenn sich Einsatzkräfte einer Verfolgung ausgesetzt sehen, weil sie in einer akuten Notlage das getan haben, was das Leid des verletzten Tieres am effektivsten und schnellsten verringerte. Aus Sicht des Tierschutzes bleibt ihr Vorgehen dennoch umstritten.