Hinterteil eines Hundewelpen
© Tierheim Köln-Dellbrück / Facebook

„Wir müssen darüber reden“: Tierheim zeigt irritierendes Video – aus wichtigem Grund

von Stefanie Gräf•

Das Tierheim Köln-Dellbrück zeigt auf Social Media mehrere junge Hunde und Katzen - aber nur von hinten. Die Wahrheit macht zutiefst betroffen.

Ein kurzes Video des Tierheims Köln-Dellbrück sorgt in den sozialen Netzwerken aktuell für Verwirrung. Zu sehen sind lediglich die Hinterteile mehrerer junger Hunde und Katzen, die sorgsam auf dem Arm gehalten werden. 

Kein Blick in die Augen, keine erkennbaren Gesichter – eine ungewöhnliche Darstellung, die sofort Fragen aufwirft. Erst der eingeblendete Text bringt Licht in das Rätsel hinter den verdeckten Bildern: „Wir dürfen sie nicht zeigen, aber wir müssen darüber reden.“

Der Traum vom billigen Rassetier

Der traurige Grund: Hinter dem Ganzen verbirgt sich ein wiederkehrendes Muster, das sich jedes Jahr nach den Sommerferien intensiviert - mit schlimmen Folgen für die hilflosen Welpen oder Kätzchen. 

In beliebten Urlaubsländern wie der Türkei werden begehrte Rassehunde und Rassekatzen zu Spottpreisen angeboten. Der Kauf erfolgt oft Spontan und unüberlegt. 

Während die Ausreise am Auslandsflughafen meist ohne Hindernisse verläuft, folgt das bittere Erwachen unmittelbar nach der Landung in Deutschland.

Bei den Kontrollen am Flughafen decken die Aufsichtsbehörden unvollständige, fehlende oder gefälschte Gesundheitspapiere auf. Die Konsequenz ist alternativlos: Den Reisenden werden die Mitbringsel noch am Terminal abgenommen.

Wochenlange Isolation in wichtiger Phase

Für die betroffenen Tiere bedeutet das den direkten Weg in die Isolation. Derzeit befinden sich im Tierheim Köln-Dellbrück unter anderem drei Pudel, ein Labrador, ein Spitz und drei winzige Katzen.

Bis zu drei Monate müssen die Jungtiere in strenger Quarantäne verbringen, um gesundheitliche Risiken für andere Bestände auszuschließen!

Das eigentliche Drama spielt sich dabei auf engstem Raum ab: Ausgerechnet in ihrer hochsensiblen Entwicklungs- und Prägephase fehlen den Tieren wichtige Außenreize, menschliche Nähe und der normale Kontakt zu Artgenossen. 

Den Pflegern bleibt nur die Rolle der ohnmächtigen Beobachter, während die Jungtiere in den Isolationsbereichen wertvolle Lebenswochen verlieren.

Das eiskalte Kalkül der Käufer

Mit jedem Tag in den Quarantänestationen steigen die Kosten für Unterbringung, Pflege und langwierige medizinische Check-ups. Das vermeintliche Urlaubs-Schnäppchen verwandelt sich so rasch in eine kostspielige Angelegenheit. 

Wenn der finanzielle Aufwand den ursprünglichen Kaufpreis um ein Vielfaches übersteigt, ziehen viele Erwerber eine eiskalte Konsequenz: Sie verweigern die Auslösung und lassen die Tiere schlicht im Tierheim zurück.

Die Jungtiere bleiben als unerschlossene Souvenirs einer unüberlegten Reiseentscheidung zurück. Für das Team des Tierheims bleibt nach diesen Vorfällen nur ein dringender Aufruf an alle Tierliebhaber, den Handel mit Urlaubs-Importen nicht länger zu unterstützen und Tieren aus dem Tierschutz eine Chance zu geben.

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