Grelles Neonlicht, endlose Regale voller Waren und mitten im Gang eine Frau kurz vor dem Nervenzusammenbruch: Sie schleppt einen 15-Kilo-Sack Hundefutter. Das kleine Problem an der Sache? Sie wollte eigentlich Katzenstreu kaufen...
Zu Hause wartet nämlich eine flauschige Hauskatze auf die Einkäuferin, die ihr Frauchen für diesen Verrat stundenlang mit Nichtachtung höchstwahrscheinlich stundenlang mit Nichtachtung strafen wird. Warum sich die Frau das antut? Eine Rabatt-App hat ihr nachdrücklich zu verstehen gegeben, dass HEUTE der Tag für Hundefutter-Ersparnisse ist.
„Einfach sparen“ statt Rabatt-Apps
Was klingt wie ein Clip mit versteckter Kamera, ist der inzwischen alltägliche Wahnsinn der digitalen Schnäppchenjagd. Wer heute fünf Cent sparen will, muss vor der Kühltheke erst ein Informatikstudium absolvieren, QR-Codes scannen und sich dem Diktat der Angebote beugen.
Plötzlich steht man mit einem Hundesack im Gang und stellt sich ernsthaft die Frage: Ist es nicht billiger, mir einfach einen passenden Hund zum Futter zu kaufen? Der Algorithmus hat entschieden, die Logik ist ausgeschaltet und die Katze daheim fährt gedanklich schon die Krallen aus.
Die Antwort liegt nicht im Regal
Die ungewöhnliche Szene stammt aus einem Werbeclip von ALDI Süd, der Ende Juli auf Facebook veröffentlicht wurde und innerhalb kurzer Zeit große Aufmerksamkeit erregte.
Im Video wird die vermeintliche Verwechslung zunächst bewusst nicht erklärt. Stattdessen hört man die Frage aus dem Off: „Du wolltest Katzenstreu, aber den Bonus gab's für Hundefutter... Warum? Und wann holst du dir den Hund?“ Die Antwort fällt ebenso trocken wie entwaffnend aus: „Wir wissen es auch nicht.“
Die Szene soll zeigen, wie absurd Bonus-Apps im Alltag manchmal wirken können. Wer nur für bestimmte Produkte Rabatte erhält, steht gelegentlich vor einer merkwürdigen Entscheidung.
Ein Problem, das viele längst kennen
Genau hier setzt die Botschaft von ALDI an. Während zahlreiche Supermärkte und Discounter inzwischen auf Rabatt-Apps setzen, verfolgt das Unternehmen bewusst einen anderen Weg.
Immer häufiger müssen Kunden heute zunächst Coupons aktivieren oder Apps öffnen, bevor sie überhaupt den beworbenen Preis erhalten. Wer kein Smartphone besitzt oder seine Daten nicht preisgeben möchte, zahlt dagegen oft mehr.
ALDI möchte dieses Prinzip nach eigenen Angaben vermeiden. Der ausgeschilderte Preis soll für alle gelten – unabhängig davon, ob jemand eine App nutzt oder nicht. Mit der Kampagne „Einfach einkaufen“ richtet sich der Discounter deshalb ganz bewusst gegen exklusive App-Rabatte.
Die große Illusion der App-Ersparnis
Verbraucherschützer beobachten das App-Schauspiel mit einer Mischung aus Mitleid und Entsetzen. Denn der angebliche „Smart Shopper“ fällt in eine psychologisch feinjustierte Falle: Studien belegen, dass Kunden durch das ständige Coupon-Freischalten bis zu 30 Prozent mehr Krempel kaufen, als sie eigentlich brauchten.
Man schleppt also Zeug nach Hause, das kein Vierbeiner je fressen wird, gibt dafür freiwillig seine kompletten Daten ab – und spart unterm Strich im Schnitt sagenhafte zwei Prozent. Ein fantastisches Geschäft. Allerdings nur für den Supermarkt.
Epischer Kampf um die Katzenstreu
Diese Absurdität führt inzwischen zu einer herrlich bizarren Schlammschlacht im Handel. Während Aldi mit breiter Brust die „Kassen-Revolte“ ausruft, Apps verbannt und sich als Retter der einfachen Preise inszeniert, stichelt Lidl auf LinkedIn bereits spöttisch zurück.
Den genervten Katzen- und Hundehaltern ist der Zoff der Discounter-Giganten allerdings herzlich egal. Sie wollen schließlich einfach nur ihren Einkauf bezahlen – ganz ohne Smartphone-Akku-Anfall an der Kasse.