Hallo, also ich hab einen Beagle und wie die anderen schon sagen, ist das nicht gerade der einfachste Hund. Er ist leider ein absoluter Modehund wegen seinem süßen Gesicht, aber die Tierheime sind voll von ihnen – meiner kommt übrigens auch aus dem Tierschutz. Ich versuche den Beagle mal in ein paar Zeilen zu beschreiben: sehr sehr sehr sehr sehr lieb, brav, null aggressiv, total fröhlich, immer gut drauf, sehr sehr sehr sehr sozial, sowohl mit Menschen als auch mit anderen Hunden. Aber er ist auch ein sehr sehr sehr sehr sehr großer Dickkopf, wenn er gerade keine Lust auf was hat. Er ist extremst verfressen (er klaut ständig Essen, sobald man ihm den Rücken zudreht, er hat einen unersättlichen Appetit) und ein kleiner Schauspieler (er bringt dich mit seinem traurigen Beagle-Blick zum Schmelzen, um was zu kriegen, und man fällt echt leicht drauf rein...). Er kann absolut nicht allein sein, man muss also oft da sein, sonst wird die Bude zerlegt, wenn er sich langweilt. Und vor allem ist er ein sehr sehr sehr sehr sehr sportlicher Hund. Ich hab meinen mit 10 Jahren adoptiert, also schon als Senior, und wir gehen 1,5 Stunden am Tag raus – und das ist für seinen Geschmack noch lange nicht genug. Ein junger Beagle braucht so 4 Stunden Bewegung am Tag, und zwar nicht nur gemütliches Gassi gehen, sondern Joggen, Radfahren usw. Wenn man diesen Bewegungsdrang nicht erfüllt, wird der Beagle zum Zerstörer und zum Ausbrecher (selbst im eingezäunten Garten buddelt er Löcher unterm Zaun und haut ab, alles schon erlebt). Fazit: Ein Hund, der in allem ein bisschen extrem ist, sowohl bei den positiven als auch bei den negativen Seiten. Ein Hund, der zu einem sehr sportlichen Herrchen oder Frauchen passen würde, die wenig oder im Homeoffice arbeiten, damit sie viel Zeit mit dem Hund verbringen können. Für Rentner, die nur gemütlich zu Hause sind, ist das gar nichts, die würde er nach 10 Minuten Gassi umhauen, er ist einfach zu aktiv... Höchstens vielleicht ein noch fitter Jäger, der gerade erst in Rente ist. Kurz gesagt: Wenn dieser Hund lange Zeit nur als Jagdhund gehalten wurde, dann hatte das seinen Grund. Ich sage nicht, dass er keine Nicht-Jäger-Familie verdient hat, aber nur unter bestimmten Bedingungen, sonst wird das Leben echt zur Hölle. Aber solche jungen, ultra-sportlichen Leute, die auch noch oft zu Hause sind, gibt es halt nicht wie Sand am Meer. Daher kommen auch die vielen Abgaben – die Beagles werden einfach missverstanden von Besitzern, die es trotz bestem Willen nicht schaffen, sie glücklich zu machen. Wer hat schon Zeit für 4 Stunden Action mit dem Hund? Ich bin oft froh, einen alten Beagle zu haben, weil das schon nicht immer einfach ist. Mit einem jungen wäre ich wohl wahnsinnig geworden. Langweilig wird einem mit so einem Hund jedenfalls nie. Wenn meiner irgendwann mal gehen muss, werde ich wohl eine ganze Weile völlig fertig sein... 🙂 Wenn die Kriterien bei dir passen, kannst du das Abenteuer wagen. Und denk bitte an Beagles aus dem Tierheim oder aus dem Labor (der Beagle ist leider einer der wenigen Hunde, die wegen ihrer Sanftmut immer noch häufig und traurigerweise für Versuche im Labor genutzt werden).