Ich hab das Gefühl, mein Welpe mag mich nicht

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Hallo zusammen,

ich hab einen Berner Sennenhund, der jetzt etwas über 3 Monate alt ist. Ich hab massenweise Bücher gelesen, mich mit unzähligen YouTube-Videos über positive Erziehung vorbereitet und uns für Gruppenstunden in der Hundeschule angemeldet. Ich hab echt das Gefühl, mein Bestes zu geben: Ich streichel ihn nicht, wenn er keine Lust hat, belohne positives Verhalten, geh mit ihm im Wald spazieren, lass ihn andere (nette!) Hunde treffen, achte auf seine Gesundheit, mache kurze Trainingseinheiten (so 6x 3 Min am Tag), er hat Spielzeug (aber nicht ständig zur freien Verfügung), er ist jeden Tag ein paar Stunden allein und so weiter. Und trotzdem hab ich echt das Gefühl, dass er in letzter Zeit das Interesse an mir verliert. Bei anderen Leuten flippt er vor Freude aus, aber für ihn bin ich irgendwie nur zum Füttern da. Er freut sich nur kurz, wenn ich mal 2 Stunden weg war und dann wiederkomme, aber das ist dann auch schnell wieder vorbei. Er hört zwar eigentlich echt gut, aber bei anderen wirkt er einfach viel fröhlicher und das bricht mir echt das Herz. Könnt ihr mir helfen? Danke schonmal für eure Antworten. Es ist mein erster Hund und ich bin gerade ein bisschen verloren.

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18 Antworten
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    Ich habe zwar keinen Sennenhund, sondern eine Jagdhündin.

    Ich weiß, das ist nicht das Gleiche... Aber was die Anhänglichkeit angeht, kenne ich das Gefühl, am Ende nur der Mensch zu sein, der das Futter hinstellt. Meine Hündin war als Welpe auch kaum verschmust.

    Man hat das Gefühl, dass man – wie du sagst – nur der Mensch ist, der mit ihm Gassi geht, ihm ein Zuhause gibt, ihn füttert und das war's.

    Mit der Zeit habe ich aber durch kleine Details hier und da gemerkt, wie falsch ich lag. Sie liebt mich abgöttisch und ich bin ihr absoluter Ankerpunkt +++

    Ich habe sogar gemerkt, dass sie extrem sensibel ist 😅 und gar nicht von mir getrennt sein will. Sie kennt das Alleinsein zwar, aber ich weiß nicht, wie ich es erklären soll – sie ist wie ein Border, der ständig bei seinem Herrchen sein will und auf meine Stimmungsschwankungen total krass reagiert ++++

    Kurz gesagt: Dieses kleine, unabhängige Wesen in seiner eigenen Welt ist eigentlich der sensibelste Hund, den ich je hatte. Aber man muss es erst mal sehen (ganz eigene Art).

    Und vor allem ist unsere Beziehung mit der Zeit gewachsen – durch gegenseitiges Kennenlernen, Fehler, Erfolge, jede Menge Action, Tiefpunkte und Abenteuer!

    Und natürlich durch das Älterwerden... Ich bin Welpen nicht so gewohnt 😅 und ich habe sie bekommen, als sie noch ganz klein war. Meiner Erfahrung nach öffnen sie sich erst mit anderthalb Jahren so richtig der Welt. Davor lieben sie uns zwar sehr, aber in ihrem Kopf dreht sich alles nur um sie selbst. Die müssen erst mal reifer werden.

    Dein Kleiner ist also noch ganz jung. Aber mit der Zeit wirst du vielleicht eine tolle Entwicklung erleben... Oder du lernst ihn einfach besser kennen und siehst, wie sehr er dich eigentlich liebt.

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    Ganz genau @Mel1

    Zwischen der tiefen Verbindung, von der man träumt, und der Realität liegt oft ein weiter Weg.

    Es ist manchmal echt undankbar, weil man sich denkt, dass die Leute, die sich gar nicht um ihn kümmern, mehr Kuscheleinheiten abbekommen :)

    Ich hoffe einfach, dass unsere Bindung mit der Zeit noch wächst. 🤞🏻

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    Ich seh das genauso wie @Lorna. Ich würde nur noch ergänzen, dass manche Hunde einfach weniger "ausdrucksstark" sind als andere. Gerade die großen, gemütlichen Brummer sind nicht der Typ Hund, der bei jeder Kleinigkeit total ausrastet vor Freude.

    Ich hab auch so einen gemütlichen Riesen zu Hause und der ist morgens echt nicht gerade aus dem Häuschen, wenn er mich sieht. Höchstens wenn ich ihn mal 2 Stunden alleine lasse, freut er sich, will Streicheleinheiten und weicht mir zwei Minuten nicht von der Seite. Das ist bei mir schon das Höchste der Gefühle.

    Aber wenn er meine Neffen, meinen Bruder, meine Schwägerin oder bestimmte Freunde sieht, dreht er völlig durch! Er freut sich mega, sie zu sehen, und macht eine richtige Party! Sowas krieg ich bei ihm nie zu sehen.

    Nicht, dass mein Hund mich nicht liebt – er sieht mich halt einfach ständig, während die anderen nur ab und zu mal da sind. Und je seltener er sie sieht, desto mehr freut er sich einen Ast ab.

    Du musst einfach nur lernen, deinen Welpen zu verstehen, ohne dir selbst so einen Druck zu machen. Zwischen der Beziehung, die man sich vorher ausgemalt hat, und der, die man dann im echten Leben hat, liegen oft Welten.

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    Danke Lornabis :) Ich stimme dir voll zu und genau wegen dieser Eigenschaften habe ich mich auch für diese Hunderasse entschieden.

    Auch wenn ich eigentlich das Gefühl hatte, es nicht zu übertreiben und sein Tempo zu respektieren, werde ich jetzt wohl noch einen Gang zurückschalten!

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    Ja, nutz die Spaziergänge, um sein natürliches Folgen zu stärken, fang beim Spielen an, die ersten Grundlagen zu legen, verlange Ruhe am Futternapf und... das ist eigentlich auch schon alles :-)

    Der Berner ist kein "extremer" Hund, was seine Bedürfnisse oder sein Verhalten angeht. Er ist ein großer Brocken mit dem Gemüt eines Sennenhundes und ein Spätentwickler, der die Hausregeln einfach durch Gewohnheit lernt. Man muss da kein "millimetergenaues" Programm austüfteln, weder was die körperliche noch die geistige Auslastung angeht.

    Ganz ehrlich, bei einem gesunden Berner (aus ordentlicher Zucht) reicht eine grundlegende Konsequenz im Alltag völlig aus, um einen tollen Hund zu bekommen, ohne dass man sich ein Bein ausreißen muss.

    Für einen kleinen, 3 Monate alten Berner können mehrere Trainingseinheiten am Tag plus Hundeschule plus Socializing-Touren schnell mal zu viel werden. Das sind keine Powerpakete, die ständig auf 180 sind, wie manche Terrier oder leichte Hütehunde, die es lieben, Befehle und Positionen im Sekundentakt abzuspulen. Man muss auf ihr natürliches Tempo achten und sie nicht mit unnötigem Kram überfordern.

    Behalt im Hinterkopf, dass dein Welpe die Grundlagen mit der Zeit lernt und dass es nicht zwingend notwendig ist, jeden Tag richtige "Trainingseinheiten" durchzuziehen. Bei so einem Hundetyp sollte die Erziehung eigentlich eher nebenbei im Alltag einfließen. Solange er gut an seine Umwelt gewöhnt ist und der Rückruf sitzt, ist alles bestens. Sitz, Platz, Tricks und Co. sind nur Kür und sollten nur gemacht werden, wenn der Hund gerade motiviert ist – bloß nichts erzwingen, damit er nicht die Lust verliert.

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    Vielen lieben Dank für eure Antworten, ihr beiden. :) Das hilft mir echt weiter und beruhigt mich!

    Ich will alles richtig machen und lege großen Wert darauf, ihm nicht ständig auf der Pelle zu hängen und ihm genug Zeit für sich zu lassen.

    Aber ihr habt recht, innerlich mache ich mir total viel Druck und das überträgt sich bestimmt auch auf ihn.

    Ich werd mich jetzt mal entspannen ;)

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    Hallo Eva,

    vielleicht wirkt sich dein Perfektionismus auf deine Ausstrahlung aus und darauf, wie viel Druck dein Welpe spürt, wenn du da bist?

    Ist nur so eine Vermutung, wenn ich mir dein Profil so ansehe. Was wäre, wenn du einfach mal für ein paar Tage loslässt und deinem Welpen sowie all den oben genannten Fragen nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit schenkst?

    Vielleicht kommt er dann ja wieder von ganz allein angerannt :-)

    Ist nur so eine Idee. Davon abgesehen muss man verstehen, dass Welpen bei neuen oder seltenen Dingen total aufgedreht sind, das ist ganz natürlich. Aufregung ist nicht gleichbedeutend mit Liebe oder der Bindung zwischen Mensch und Hund. Und nur weil dein Welpe in deiner Gegenwart ruhig ist, heißt das noch lange nicht, dass er dich nicht mag!

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    Flip-Cockwood
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    Hallo,

    das ist in dem Alter völlig normal. In dieser Phase ist die Neugier auf alles Neue einfach noch viel größer. Die Momente, in denen er anhänglicher wird, kommen erst später. Aber wenn er schon gut auf dich hört, bedeutet das, dass du sein Vertrauen bereits hast... Mach dir also keine Sorgen und bau die Bindung UND deine Autorität weiter aus. Ein Hund braucht beides, und nicht unbedingt in der genannten Reihenfolge...

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