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Von besonderer Liebe und schwerem Abschied: Tierbestatter Stefan Gass im Wamiz-Interview

Tod von Haustier

Das Team von Lichtung Tierbestattungen: Stefan H. Gass (v.r.), Matthias Röpke und Jakob Strasser

© Nicole Schaller

Wer schon einmal selbst ein Haustier verloren hat, weiß, wie schmerzhaft dieser Abschied sein kann. In genau diesen Momenten hilft Stefan H. Gass. Der 37-Jährige hat im niederbayerischen Neuburg am Inn das Unternehmen „Lichtung Tierbestattungen” gegründet. Im Wamiz-Interview spricht er über den letzten Weg unserer Haustiere und was die Liebe eines Tieres so besonders macht.

von Nina Brandtner, 01.11.2019

Herr Gass, Sie sind geprüfter Humanbestatter. Wann haben Sie sich entschlossen, auch Tierbestattungen anzubieten?

Das war im Spätsommer 2016. Ich grenze natürlich optisch zwischen der Human- und der Tierbestattung ab, das fängt schon beim Bestattungsfahrzeug an. Kollegen sagten mir damals, neben Humanbestattungen auch Tierbestattungen anzubieten, sei nicht gut.

„Aber es handelt sich auch bei Tieren um Lebewesen, um eine Seele, um einen Geist. Und um Liebe.”

 Da ist es also durchaus möglich und erlaubt.

Klingt, als hätten Sie einen engen Bezug zu Tieren.

Als Kind ist eine der Katzen unserer Familie verstorben. Da wollte ich, dass mein Großvater eine Grabstätte gestaltet und mit seiner Flex ein Kreuz in den Stein macht. Auch bei meinem Opa war das Haus voller Tiere. Ich bin so aufgewachsen und geprägt.

Haben Sie selbst auch ein Haustier?

Ja, den Toni. Ein Mischling aus Riesenschnauzer und Yorkshire Terrier. So einen richtigen Hund eben.

Was war der ausschlaggebende Punkt, dass Sie Ihre Tierliebe zum Beruf gemacht haben?

Ich hatte 2015 eine Kundin, die ihrer verstorbenen Mutter die Urne des Hundes im Sarg mitgeben wollte. Eine Woche später bekam ich einen Anruf von einem anderen Kunden mit der Frage, ob wir auch Tierbestattungen vornehmen. Und auch von Freunden, die selbst Haustiere hatten, habe ich immer wieder gehört: „Da bräuchten wir eigentlich Hilfe.”

Trauerraum Tierbestattungen
Die Räumlichkeiten von Lichtung Tierbestattungen
© Nicole Schaller

Noch vor einigen Jahren waren Tierbestattungen kein Thema. Was hat sich geändert?

Haustiere sind mit Sicherheit wichtig geworden. Wenn vor zehn, fünfzehn Jahren ein Tier gestorben ist, war das halt weg. Heute gibt es die Möglichkeit für ein schönes Gedenken, dafür, dass das Tier nicht ganz weg ist. Ich würde aber einem Tierhalter nie einreden, er müsse seinen Hund jetzt bestatten lassen, sonst sei das Ganze unwürdig. Der weitere Verbleib der Seele ist nicht an den Verbleib des Körpers gebunden.

In einer Wamiz-Umfrage haben 90% der befragten Deutschen angegeben, dass der Verlust eines Haustiers so schlimm wie der eines Verwandten ist. Haben Sie die gleiche Erfahrung gemacht?

Ja. Ich denke, das hat sich so entwickelt. Ich habe aus vielen verschiedenen Gesprächen heraus gehört, dass die Trauer identisch oder ähnlich ist. Eine meiner größten Erkenntnisse als Tierbestatter ist, dass in einem Tier keine negative Energie gebunden ist.

„Ein Tier handelt vielleicht aus Überlebenstrieb, aber nicht aus böser Absicht. Und das schlägt sich in der Trauer nieder.”

Die Beziehung zu einem Tier ist eine andere Bindung. Ein Tier liebt seinen Halter bedingungslos und damit ist eine ganz andere Ebene erreicht.

Dennoch ist über die Hälfte unserer Befragten gegen Trauerfeiern für Haustiere. Woran, denken Sie, liegt das?

Der Abschied von einem Haustier ist nicht so wie der Abschied von einem Menschen. So wie das Tier vor seinem Tod ein Teil des Lebens und des Alltags war, wollen Tierhalter es auch nach dem Tod lieber da haben, wo sie es sehen können. Sie wollen eine Urne nicht beisetzen, sondern sie sich lieber in die Wohnung stellen. Es geht um ein in den Alltag eingebundenes Gedenken. 

Urnen für Haustiere
Viele seiner Kunden verzichten laut Gass auf eine Erdbestattung - und bewahren die Urnen in ihrem Lebensumfeld auf
© Nicole Schaller

Welche Art von Bestattungen bieten Sie an?

Nur Feuerbestattungen. Wir haben einen Tierfriedhof gestaltet, nehmen aber auch da nur die Einsetzung der Asche vor. Ich glaube, ich tue der Natur mit der Feuerbestattung einen kleinen Gefallen. Aber nur ein sehr kleiner Prozentsatz meiner Kunden geht auch auf den Friedhof. Es ist bei uns eine Zusatzdienstleistung, die wir nicht aktiv anbieten. Meistens bringen wir die Urne dem Halter nach Hause.

Welche Tiere bestatten Sie denn eigentlich?

Eigentlich alle Haustiere.

„Einmal hat eine Frau wegen einem Schafbock angerufen, da wurde aber der Transport schwierig.”

Da haben wir dann eine Abgrenzung gemacht. Ich hatte auch schon einen Tierbesitzer mit einer geliebten Ratte da. Halter haben auch zu ihren Nagern eine enge Bindung, sei es zu einem Hamster oder einer Maus. Darauf gehen wir immer voll ein. An Weihnachten 2016 kam ein junger Mann mit 28 Jahren zu uns. Er hatte schon mit zwei Jahren einen Papagei bekommen, der dann verstorben ist. Es hat drei Tage gedauert, bis wir das Tier überhaupt abholen durften, so groß war die Liebe.

Das ist ja aber nicht der Alltag. Welche Tiere bestatten Sie am häufigsten?

Etwa gleich viele Hunde und Katzen. Aber was erstaunlich ist: Manchmal gehen an ein paar Tagen mehrere Hunde, dann sind es wieder einige Katzen. Oder manchmal kommen mehrere verstorbene Tiere aus einem Ort. Früher hat man in der Humanbestattung gesagt: „Wenn einer in einer Straße stirbt, dann gehen drei.” Die Tiere gehen dann gemeinsam über die Regenbogenbrücke.