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„Ansprüche an den Hund sind enorm geworden”: Hundebetreuerin Merit Rass im Wamiz-Interview

Hundebetreuerin Merit Rass © Merit*s Hundebetreuung

Es ist der Traum eines jeden Hundenarren: Fünf, sechs, manchmal sieben Hunde tollen den ganzen Tag um einen herum. Die gebürtige Münchnerin Merit Rass hat im Mai 2016 genau das zu ihrem Beruf gemacht und ist heute als hauptberufliche Hundebetreuerin tätig. Im Wamiz-Interview verrät sie, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, welche Rasse der Clown unter den Vierbeinern ist und warum wir unsere Hunde viel öfter Hund sein lassen sollten.

von Nina Brandtner, 25.10.2019

Frau Rass, hauptberufliche Hundebetreuerin ist nicht gerade ein alltäglicher Beruf. Was brachte Sie auf die Idee?

Ich war früher in der Sportorthopädie tätig und brachte damals meinen eigenen Hund Balu, einen Labrador-Golden Retriever, bei verschiedenen Hundebetreuungen unter. Besonders die letzte Betreuerin war super. Als sie nicht mehr auf Balu aufpassen konnte, habe ich relativ spontan beschlossen, das selber zu machen. Ich habe als Kind schon öfter auf Hunde aufgepasst, hätte aber nie gedacht, dass es mein Beruf wird. Aber es ist eigentlich genau das, was ich gerne mache. Und so begann ich mit einem Praktika in einer Hundetagesstätte, wurde Hundepsychologin und Coach für Hundehalter.

Warum werden Angebote rund um Hundebetreuung immer mehr, immer beliebter?

Das Bewusstsein der Hundehalter wird immer größer. Viele wollen sich bewusst Zeit für die Arbeit nehmen und ihren Hund in guten Händen wissen, um danach ohne Einschränkung für den Vierbeiner da sein zu können. Viele meiner Kunden sind selbstständig und könnten den Hund sogar mit zur Arbeit nehmen. Aber der liegt halt dann nur da und wartet. Stattdessen wollen sie ihrem Tier etwas Gutes tun.

„Es gibt nichts Schöneres für die Hunde, als mit Artgenossen zusammen zu kommen.”

Dürfen denn alle Hunde zu ihnen kommen? Wie wählen Sie Ihre Truppe aus?

Bei einer neuen Anfrage mache ich erst einmal einen Probetag bei dem Hund zuhause und sehe mir an, wie er sich da gibt. Dann stelle ich ihm meinen Hund Balu und den Rest der Gruppe vor, gehe mit ihnen raus und sehe mir an, wie er sich beim Spielen mit den anderen verhält. Da ist schon einiges an Berufserfahrung notwendig, man muss die Tiere gut einschätzen können. Manche Hunde können es sehr gut verstecken, dass sie das eigentlich nicht möchten.

Merit's Hundebetreuung
Die Französische Bulldogge Loki und Merit Rass' Hund Balu (rechts) mit ihren Spielgefährten Coco und Alma© Merit*s Hundebetreuung

Klingt nach Zündstoff.

Wenn man solche Hunde in die Betreuung zwingt, machen die das zwei bis drei Mal ganz gut mit. Aber dann fängt einer plötzlich an, andere Hunde zu mobben. Ich spreche dann mit den Besitzern und die zeigen sich meistens verständnisvoll, dass es in dem Fall keinen Sinn hat.

Hat man als Hundebetreuerin eigentlich eine Lieblingsrasse?

Keine Lieblingsrasse, aber einen Lieblingscharakter. Einer meiner Hunde, der Labradoodle Luke, wird von allen gemocht und alle mögen ihn. Alle Hunde lieben es mit ihm zu spielen, selbst die älteren spielen wieder begeistert mit, wenn Luke bei uns ist. Wenn es da an einem Tag mal sieben Hunde werden, ist das auch kein Problem.

Wie viele Hunde betreuen Sie denn an einem Tag?

Meistens fünf bis sechs. Ich hole die Vormittagshunde morgens ab, wir gehen zwei bis drei Stunden spazieren, dann wird geschlafen. Danach bringe ich die Mittagshunde nach Hause und hole die Nachmittagshunde ab, später gehen wir wieder ne kleine Runde. Meistens sind wir den ganzen Tag über in Wald und Wiese.

Da gibt es zwischendurch sicher einiges zu lachen.

Klar. Ich betreue eine Französische Bulldogge, Loki. Wenn es zum Autofahren kommt, steigen die meisten großen Hunde selbst in den Kofferraum. Auch der kleine Loki will sich das nicht nehmen lassen. Er bereitet das langsam vor, die Vorderpfoten vibrieren und dann fliegt er plötzlich und landet mehr schlecht als recht im Kofferraum. Mal liegt er schräg drin, manchmal nur mit den Vorderpfoten, aber er schafft es immer rein. Außerdem ahmt er immer die Kopfbewegungen nach, die man ihm vormacht.

Klingt als wäre die Rasse ein echter Clown!

Ja definitiv. Man muss sagen, dahinter stehen oft auch schwierige Züchtungen. Aber Loki hat einfach einen goldenen Charakter.

Loki und Merit Rass
Sorgt immer für einen Lacher: Die Französische Bulldogge Loki hält Merit Rass auf Trab© Merit*s Hundebetreuung

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer Arbeit?

Sich in jedes Wesen hineinzuversetzen, die Hunde zu lesen und sie bei ihrer Kommunikation untereinander zu unterstützen. Die Hunde so zu erleben, wie sie wirklich sind.

Sind sie denn sonst nicht so, wie sie eigentlich sind?

Die Ansprüche an den Hund sind heute enorm geworden. Weil der Hund eben auch gesellschaftsfähig geworden ist. Früher war es ganz einfach, da gab es Hofhunde, Jagdhunde, Herdenschutzhunde und vielleicht noch Assistenzhunde. Das waren Arbeitshunde, die hatten oft nicht mal etwas im Haus oder der Wohnung verloren.

„Heute soll der Hund mit ins Café, zum Joggen, darf auf die Couch und ins Bett. Er soll als Partner und als Freizeitbeschäftigung dienen.”

Und dann soll der Hund nicht nur die Freizeit des Halters mitmachen, sondern auch noch eigene Hobbies haben: Agility, Hundeschule und dann noch in die Tagesbetreuung.

Klingt tatsächlich ziemlich stressig.

Man muss den Hund auch mal Hund sein lassen. In Fachkreisen sprechen wir davon, den Hund wieder etwas mehr zum Ursprung zurückzuführen. Auch auf den Hundehalter redet jeder ein, der Hundetrainer sagt das, der Hundepsychologe was anderes und der Hundecoach hat auch noch eine Meinung. Oft braucht der Hund einfach die Gemeinschaft mit anderen, Ruhe, Schlaf, Erholung und Abschalten.

Mehr Infos zu Merit*s Hundebetreuung finden Sie hier.