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Tierische innere Uhr: Haben Katzen eigentlich ein Zeitgefühl?

Katze neben Uhr advice
© Shutterstock

Ausschlafen am Wochenende – was für ein Genuss! Wenn da nicht die geliebte Katze wäre, die pünktlich um 6:30 Uhr am Bett lauert. Flugs auf unsere Matratze gesprungen, hascht sie mit einer Pfote nach der Nase ihres schlummernden Halters. Vorbei die Träumerei – es ist Futterzeit! Wenn wir schon wach sind, möchten wir auch wissen: Haben manche Katzen ein tierisch gutes Zeitempfinden oder knurrt ihnen nur der Magen?

von Carina Petermann

Pünktlich am Futternapf: Die innere Uhr der Katze

Katzen lieben Routine. Sie gibt ihnen Sicherheit und dem Katzenalltag Struktur. Ihren Biorhythmus passen Katzen an die Gewohnheiten der Menschen an. Vor allem Stubentiger stellen sich auf den Rhythmus ihrer Halter ein. Manche Katzen haben eine fast minutengenaue innere Taktung, andere sind eher lässiger unterwegs, was Uhrzeiten betrifft. Manche fordern darum nicht nur ihr Frühstück pünktlich ein, sondern gehen am liebsten auch pünktlich zu Bett. Darum jammern sie im Badezimmer, bis ihr Dosenöffner sich endlich die Zähne putzt und sich bettfertig macht.

Mit kleinen Tricks können Sie versuchen, sich am Wochenende mehr Schlaf zu sichern

Der erste Trick ist vielmehr ein Erziehungstipp, der umso besser anschlägt, desto früher Sie damit beginnen. Er lautet:

Gewöhnen Sie Ihre Katze an unregelmäßige Aufstehzeiten.

Bleiben Sie bei frisch eingezogenen Katzen am Wochenende länger im Bett oder versuchen Sie, in der Woche ab und an eine halbe Stunde früher aufzustehen. Viele Katzen lernen so, dass die Morgenroutine nicht perfekt planbar ist, und werden geduldiger. Alten Katzen sollten Sie die Routine weiterhin gönnen. Alternativ kann es helfen, wenn Sie die Katze abends später füttern, wenn Sie am nächsten Tag ausschlafen möchten. Oder Sie füttern die Samtpfote und schlurfen anschließend für eine weitere Mütze Schlaf zurück ins Bett. Allerdings geben sich nicht alle Samtpfoten mit einem Frühstück zufrieden. Insbesondere Wohnungskatzen warten auf die erste Runde Kuscheln oder Spielen.

Mehr als nur Routine: Haben Katzen ein Zeitempfinden?

Zeitempfinden – was bedeutet das eigentlich? Neben dem Wahrnehmen von Minuten und Stunden oder Tagen geht es dabei auch um das Unterscheiden von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir gehen davon aus, dass Katzen zwar Abläufe lernen können, aber kein Bewusstsein für Zeit in Form von „gestern“, „heute“ und „morgen“ haben. Die Vergangenheit interessiert sie ebenso wenig wie Zukunftsplanung.

Das hält sie nicht davon ab, bestimmte Signale zu lesen: Das Herausstellen des Transportkorbes bedeutet, es geht zum Tierarzt – und schwupp, weg ist die Samtpfote. Konkrete zeitliche Abfolgen kann sie also wahrnehmen. Dies verbessert die Zeitwahrnehmung im Alltag. Denn Katzen lesen kleine Signale: Die Straßenbahn, die ab 5 Uhr morgens wieder fährt, das Zwitschern der Vögel, die Dämmerung oder Veränderungen der Schlafphasen ihrer Dosenöffner. Ebenso kann sie schlechte oder gute Erfahrungen mit Menschen, Tieren und Orten abspeichern. All dies füttert die innere Uhr unserer Katze, die zusätzlich die Hormone Serotonin und Melatonin steuern.

Wissen Katzen, wie lange sie allein waren?

Drei Wochen Karibik-Urlaub sind geplant und die Samtpfoten in der Obhut der netten Nachbarn. Doch das schlechte Gewissen meldet sich: Werden die Katzen uns vermissen? Schließlich sind drei Wochen eine lange Zeit! Andererseits ist immer wieder zu lesen, Katzen hätten ohnehin kein Gefühl dafür, ob sie Stunden oder Tage allein seien. Argumente, die diese gewagte These belegen, gibt es nicht. Natürlich wissen Katzen nichts mit dem Begriff „Woche“ anzufangen. Aber viele Stubentiger zeigen während der Abwesenheit ihrer Halter anderes Verhalten, wenn sie keine oder weniger Zuwendung bekommen.

Wichtig ist, dass die Katzen trotz Urlaub positive Erlebnisse sowie Beschäftigung haben.

Denn wir alle wissen aus eigener Erfahrung, wie unterschiedlich lang Zeit uns vorkommen kann. Befinden wir uns in einem spannenden Gespräch oder haben es besonders eilig, weil wir viel zu tun haben, vergeht die Zeit wie im Flug. Sitzen wir in einer ermüdenden Rede oder warten auf den nächsten Zug, dehnt die Zeit sich wie Kaugummi. Es ist zu vermuten, dass es Katzen ähnlich geht.

Vor allem Wohnungskatzen sind gefährdet, unter langer Monotonie zu leiden. Zu viel davon kann zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Besser ist es also, die Samtpfote zu Bekannten in Pflege zu geben oder jemanden zu finden, der in der Wohnung wohnt. Tipp: Wenn Sie gerne verreisen, gewöhnen Sie die Katze von klein auf an ihre Urlaubsresidenz. Stubentiger, die zu zweit leben, können sich immerhin miteinander beschäftigen. Freigänger, die ein freundlicher Nachbar versorgt, bleiben am liebsten im eigenen Revier, das ihnen auch Abwechslung bietet – so wird die Zeit ohne Sie nicht allzu lang.

Eine Katze schmollt nicht - sie ist verunsichert

Und was hat es mit dem Schmollen nach einem Urlaub auf sich, von dem manche Katzenhalter berichten? Katzen können nicht „schmollen“, denn sie haben kein Unrechtbewusstsein. Wenn sich eine Katze zurückzieht, zeigt dies, dass sie besonders sensibel ist. Das Fehlen der üblichen Rituale hat sie verunsichert. Die innere Uhr ist aus dem Takt geraten. Kommen ihre Halter wieder nach Hause, brauchen diese Samtpfoten etwas Zeit, bis sie sich wieder an die neue Situation gewöhnt haben und dem Alltag wieder vertrauen.