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Ist die Old English Bulldogge ein Listenhund?

Old English Bulldog advice
© Shutterstock

Liebenswert und treu – so kennen viele Hundebesitzer ihren Old English Bulldog. Meist gibt es auch rechtlich keine Probleme mit seiner Haltung, da ihn die Behörden in der Regel lediglich als großen Hund einstufen. In manchen Bundesländern wie in NRW ist jedoch eine phänotypische Untersuchung erforderlich, welche die Old English Bulldogge als Listenhund einschätzt oder nicht.

von Tim Brinkhaus

Immer wieder Probleme mit der Einstufung der englischen Bulldogge

Der Club für Olde Bulldogges in Deutschland hofft schon lange, dass auch die Bundesrepublik die Hunde bald als eigene Rasse anerkennt. Schließlich kommt es immer wieder zu Problemen bei ihrer Einstufung. Zuletzt steht eine Halterin aus Sankt Augustin mit ihrem Hund Kalle am 12. März 2019 vor Gericht.

Sandra E. meldet ihren Old English Bully ordnungsgemäß bei der Stadt Sankt Augustin an. Da die Rasse 'Olde English Bulldogge' jedoch keine FCI-Zulassung hat, muss Kalle zur phänotypischen Untersuchung beim Veterinäramt. Dieses stellt fest, dass Kalle äußerlich überwiegende Merkmale des American Bulldogs aufweist. Er sei demnach nicht einfach nur ein „großer Hund". Somit wird Kalle als Listenhund auflagenpflichtig und umgangssprachlich sogar als „Kampfhund" bezeichnet.

Diese Pflichten müssen sog. Kampfhunde erfüllen

Vor Gericht kann Sandra E. eine Neueinschätzung erreichen, welche Kalles körperliche und charakterliche Merkmale als „weit genug vom American Bulldog entfernt" erklärt. So glimpflich gehen solche Fälle jedoch nicht immer aus. Derartige Untersuchungen schätzen Old English Bulldogs nicht selten durchaus gefährlicher als einen normalen, großen Hund ein. Die Folgen aus diesem Urteil sind nicht zu unterschätzen. Folgende Pflichten bestehen für die Haltung eines sogenannten „Kampfhundes" in Deutschland:

  • Leinenpflicht
  • Maulkorbpflicht
  • Chippflicht
  • Vorlegen eines Sachkundenachweis/ Hundeführerschein
  • Vorlegen eines einwandfreien Führungszeugnisses
  • Bestehen eines umfassenden Wesenstests
  • ggf. erhöhter Steuersatz/ „Kampfhundesteuer"
  • ggf. Hundehaftpflichtversicherung
  • ggf. Einzäunen des eigenen Grundstücks
  • ggf. Kastration des Tieres
  • ggf. Zugangsverbot zu öffentlichen Festen, in Freibädern, auf Spielplätzen
  • ggf. Türschild oder Aufsteller im Garten mit der Aufschrift „Vorsicht Hund!"

Welche Auflagen für die Haltung eines Listenhundes bestehen, zu welchen der American Bulldog gehört, entscheidet jedes Bundesland unterschiedlich. Die Bundesländer Niedersachsen und Thüringen zum Beispiel verfügen über keine Kampfhundeliste und schätzen jedes Tier individuell ein.

Doch auch wenn eine Rasseliste beim jeweiligen Land vorliegt, muss dies nicht heißen, dass dieses den American Bulldog darauf auch als Anlagehund führt. Lediglich die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern sehen rechtlich überhaupt ein Gefahrenpotential für das Tier.

Doch da Züchter nicht nur den American Bulldog in den Olde English Bulldog einkreuzen, sondern auch andere Rassen, muss sich das Tier in der Regel der phänotypischen Untersuchung unterziehen. Stellt diese das Überwiegen der Merkmale bestimmter Rassen fest, kommt es darauf an, in welchem Bundesland Sie leben und ob dieses die jeweilige Rasse als Listenhund führt.

Laut FCI Old English Bulldog keine eigenständige Rasse

Die FCI (Fédération Cynologique Internationale) und der AKC (American Kennel Club) erkennt die Olde English Bulldogge nicht als eigene Rasse an. Lediglich der United Kennel Club (UKC) lässt das Tier als eigene Rasse gelten. In Deutschland entscheidet jedes Bundesland individuell über die Einschätzung des Old English Bulldogs.

Gemäß § 10 des Landeshundegesetzes NRW gelten solche Tiere als "Hunde besonderer Rasse", da wenigstens zu einem Drittel bestimmte Rassen eingekreuzt sind. Erst das Veterinäramt entscheidet, ob das Tier als gefährlicher Hund einzustufen ist. Das Land Brandenburg hingegen ist der Ansicht, dass die Old English Bulldogge „eine Kreuzung mit einem unwiderlegbar gefährlichen Hund im Sinne des § 8 Abs. 2 HundehV" ist und somit als „Listenhund" oder „Anlagehund" geführt werden muss.

Generell ist der Old English Bulldog also kein Listenhund, er kann aber durchaus als ein solcher eingestuft werden.

Ist der Old English Bulldog wirklich so gefährlich?

Ob der Old English Bully gefährlich ist, hängt ganz individuell vom Charakter des Tieres und des Halters ab. Trimmt sein Herrchen ihn auf Angriff, kann der Hund durchaus gefährlich werden. Es gibt aber auch sehr ruhige Exemplare mit einem liebenswerten Charakter wie Hund Kalle. Generell ist die Olde English Bulldogge aber wesentlich zurückhaltender als die Englische Bulldogge oder die Amerikanische Bulldogge.

Allerdings weisen sowohl der English Bulldog als auch der American Bulldog gewisse Charakterzüge auf, die in bestimmten Situationen gefährlich werden können. Da Anteile beider Rassen bei dem Old English Bulldog enthalten sind, entscheiden die zuständigen Behörden von Fall zu Fall.